Finanzlexikon

Das Finanzlexikon behandelt nicht nur Themen, die unmittelbar in Zusammenhang mit Kreditkarten stehen. Es werden Themen des gesamten Finanzmarktes behandelt und laufend ergänzt. Es wird auf Grund des enormen Umfangs sukzessiv und auszugsweise online gestellt. Ein besonderer Dank gilt Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen für dieses excellente Finanzlexikon, das sowohl vom Umfang als auch inhaltlich seinesgleichen sucht.

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Abandon (abandon): Wenn nicht anders definiert, meint man damit in der Finanzsprache die Aufgabe (das Nichtausüben) einer Option. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aberdepot auch Stückedepot und Summendepot (bonds account, depositum irregulare): Eine (heute seltenere) Form der Verwahrung von Wertpapieren durch eine Bank. Der Depotkunde hat hier (im Gegensatz zur üblichen Wertpapier-Verwahrung) bloss einen schuldrechtlichen Anspruch (contractual claim under the law of obligations) gegenüber der Bank auf Titel derselben Art und Menge; siehe § 700 BGB. Im Falle der Insolvenz des verwahrenden Instituts bleibt dem Kunden lediglich eine Forderung an die Insolvenzmasse (assets available for distribution among the unsecured creditors), nicht aber ein Aussonderungsrecht (right of recovery, third party right).

Als unregelmässige (aber = hier: regelwidrig, unecht; wie etwa in aberklug, abergläubig) Verwahrung unterliegt das Stückedepot nicht den Bestimmungen des Depotgesetzes, vielmehr gilt ein Verwahrungsvertrag (contract of deposit) nach § 700 BGB. Der Vorteil eines Aberdepots besteht darin, dass die verwahrende Bank dem Kunden (in der Regel) keine oder nur geringe Depot-Gebühren (custodian fee, safe custody charges) berechnet. Siehe Depotbank, Depotgesetz, Omnibus-Konto, Verwahrstelle, Zentralverwahrer, Zwischenverwahrung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Abgeltung(s)steuer (flat rate [withholding] tax): Ein einheitlicher Steuersatz auf jederart Kapitalerträge (vor allem Zinsen und Dividenden) sowie Gewinne aus der Veräusserung von Finanzprodukten. Wie die Erfahrung lehrt, spielt (was in den Modellen der Finanztheorie in aller Regel grosszügig vernachlässigt wird) die steuerliche Belastung einer Investition eine (wenn nicht oftmals sogar die allein) ausschlaggebende Rolle. Daher sind alle Fragen um die steuerliche Belastung von Geschäften im Finanzmarkt zu dessen Belebung, Gestaltung, Sicherung und Kräftigung von ganz entscheidender Bedeutung.

Siehe Finanzmathematik, Flat Tax, Groll-Effekt, Spekulationsteuer, Tobin-Steuer, Verrechnungssteuer. Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 164 f. (Auswirkungen auf das Anlageverhalten), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 136 (Umgehungshandlungen), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 191 (die in Deutschland zum 1. Januar 2009 in eingeführte Abgeltungsteuer bewirkte die Vorverlegung betroffener Geschäfte). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Ablauffonds (expiry fund): Von einer Versicherung angebotene Möglichkeit, vertraglich ausbezahltes Geld aus einer Lebensversicherung für den Kunden in einem Fonds anzulegen. Der besondere Vorteil hierbei ist, dass der Anleger über einen Entnahmeplan (withdrawal arrangement) bestimmen kann, in welcher Höhe und über welchen Zeitraum er Zahlungen aus dem Fonds erhalten möchte. Anders als bei einem üblichen Fonds, lassen sich dadurch auf die besonderen Verhältnisse des einzelnen Kunden genau zugeschnittene Regelungen vereinbaren. Zudem bleibt damit die Versicherung mit dem Kunden in Beziehung.

Die so getätigte Finanzanlage des Kunden lässt die Versicherung in der Regel von einer Kapitalanlagegesellschaft verwalten. Notwendige Zeitangleichungen (Termin der Ausschüttung des Fonds einerseits und mit der Versicherung vereinbarte Zahlungen gemäss dem ausgehandelten Entnahmeplan mit dem Kunden andererseits) gleicht die Versicherung über ein eigenes internes (Sammel) Konto aus. Captive Fund, Garantiefonds, Lebensversicherungs-Policehandel, Nachgeschäft, Pensionsfonds, Pensionskasse. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Ablehnung (decline): In Zusammenhang mit dem Geldkarten-Geschäft die verneinende Auskunft auf eine Autorisierungsanfrage bei der Karten ausgebenden Bank. Dabei wird ein Applikationskryptogramm (application authentication cryptogramme) erstellt und gespeichert, um auffällige Kartennutzer herauszufiltern. Siehe Autorisierung, Computerzahlung, Geld, elektronisches, Geldautomaten-Sperre, Geldbörse, elektronische, Geldkarte, Geldwäsche, Karten-Echtheitsprüfung, Karteneinsatzdatei, Kreditkarte, Netzgeldgeschäft, Pay per Touch, Radio Frequency Identification, Scoring, Ticketing, elektronisches. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Abschlag (markdown; discount): Beim Verkauf von Wertpapieren auf Kundenrechnung die im Preis enthaltende Gewinnspanne der Bank bzw. des Händlers (Brokers). Der Unterschied zwischen dem heutigen Kurs von bestimmten Devisen und dem (wenn nicht anders definiert) Dreimonatskurs dieser Währung auf dem Terminmarkt. Zinsabzug (Diskont) beim Ankauf später fällig werdender Forderungen, insbesondere von Wechseln und Schecks. Zahlung, durch welche eine Rechnung nicht vollständig ausgeglichen wird: eine Schuldtilgung à conto (payment on account), eine Teilzahlung oder Rate. Bei der Begebung neuer Wertpapiere der sich dadurch ergebende Preisnachlass (meistens in Prozent ausgedrückt), dass der Ausgabekurs unter dem Nennwert liegt, um Käufer anzulocken.

Beim Handel mit Optionsscheinen der (zumeist in Prozent angegebene) Betrag, um den der Bezug der Aktie über den Weg eines gekauften Optionsscheins billiger ist als der direkte Kauf dieser Aktie (Gegenteil: Prämie). Bei einem Future bedeutet ein Abschlag (Disagio), dass der Kontraktpreis niedriger ist als der Kassapreis des zugrundegelegten Basiswertes. Beim Umtausch von Regionalgeld in das gesetzliche Zahlungsmittel (EUR) übliche Minderung der zum Rücktausch angebotenen Summe. Siehe Aktienanleihe, Aktien-Optionen, Barwert, Basis, Devisentermingeschäft, Diskont, Deduktion, Kompensation, Option, Rate, Report, Regionalgeld, Rohstoff-Terminvertrag, Spekulation, Swapsatz, Terminmarkt, Tilgung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

ABS-Fonds (ABS fund): Sondervermögen einer Kapitalanlagegesellschaft, die ganz oder zu einem sehr hohen Anteil in forderungsgesicherte Wertpapiere (Asset Backed Securities) in die betreffende Vermögensmasse investiert hat. Im Zuge der Subprime-Krise mussten einzelne ABS-Fonds spürbare Werteinbussen hinnehmen. Die Verluste einzelner Fonds (als Vergleich zwischen Höchst- und Tiefstand im Jahr 2007) betrugen in der Spitze über 30 Prozent. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Absicherung (herging): Auf dem Kreditmarkt das Eingehen einer Sicherungsnehmer-Position durch Verkauf des Kreditrisikos an einen Sicherungsgeber (fixed rate payer), und wenn nichts anders gesagt mittels eines Kreditderivats (seltener auf Bürgschaften und Garantien bezogen). Die Übertragung eines aus einer ungünstigen Preisbewegung allfällig entstehenden Verlustrisikos durch den Kauf oder Verkauf von Kontrakten im Terminmarkt. Soll eine Gut (Finanzprodukt, Ware) in der Zukunft gekauft werden, so kauft man heute einen Terminkontrakt (lang herging). Soll die Ware in der Zukunft verkauft werden, dann verkauft man heute einen Terminkontrakt (schort herging).

Bei einem Finanzprodukt die Gewähr, dass das Papier grundsätzlich zum Emissionspreis zurückgenommen wird, wie bei einem Garantieprodukt oder Garantie-Zertifikat. Siehe Aushaftung, Aval, Call, Hedge-Geschäft, Ersatz-Sicherungsgeschäft, Futures-Märkte, Kreditderivat, Kreditereignis, Long-Hedge, Modellrisiko, Put, Risiko, Rohstoffpreisrisiko, Rohstoff-Terminver­trag, Option, Rollover-Kredit, Short-Hedge, Spekulation, Waren-Terminkontrakt, Worst Case Hedging, Zinsoption, Zinstauschgeschäft. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Absicherungsverhältnis (hedge ratio): Wenn nicht anders definiert die Kennzahl, welche anzeigt, wie viele Optionen im Verhältnis zur Anzahl der Basiswerte benötigt werden, um sich gegen erwartete Preisänderungen im Basiswert abzusichern. Siehe Absicherung, Erwartungen, Option, Zertifikat. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Abwertung auch Devaluation und Devalvation (devaluation): Die behördliche Neufestsetzung des Vergleichswerts einer Währung zu einem zugrunde gelegten Masstab (Gold, USD, Sonderziehungsrecht) nach unten. Dies bietet sich an, wenn der Wechselkurs einer Währung über längere Zeit hinweg und erwartungsgemäss auch in Zukunft über dem festgelegten Austauschverhältnis liegt. Wird eine nötige Abwertung (necessary devaluation) zu lange hinausgeschoben, dann gerät die entsprechende Währung in das Blickfeld der Spekulation.

So erzwangen gewaltige Terminverkäufe (forward sales) an GBP von England am 16. September 1992 die bis dahin unterlassene Abwertung, und das Land trat an diesem Tag aus dem Europäischen Währungssystem aus. Früher auch gesagt für die Wertminderung des Geldes, für Inflation (dies ist ein neueres Wort, das in heutiger Bedeutung ab etwa 1865 aus den Verhältnissen im amerikanischen Bürgerkrieg geboren wurde). Der marktbedingte (market-induced) oder materialbedingte (substance-caused) Wertverlust eines Vermögensgegenstandes. Siehe Aufwertung, Geldwertstabilität, Parität, Plan C, Soros-Spekulation. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Account (so auch häufig im Deutschen gesagt): Konto, Abrechnung, Zugangsberechtigung (access authorisation) zu einem IT-System. Bericht, Schilderung, Darlegung, siehe Finanzsprache. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Acquirer (so auch im Deutschen gesagt): Ein Unternehmen, das Verträge über die Annahme von Geldkarten einer Karten ausgebende Bank bei Verkaufspunkten (in Handel, Tankstellen, Beherbergungsgewerbe, Gaststätten, Autovermietungen, Fluggesellschaften usw.) abschliesst. Siehe Barzahlungsklausel, Disagio, Geldautomaten-Sperre, Interchange Fee, Karte.
Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Ad-hoc-Mitteilung (ad hoc disclosure): In Deutschland Pflicht der in den Segmenten amtlicher Markt und regulierter Markt (bis anhin nicht jedoch auch im Freiverkehr) börsenzugelassenen Aktiengesellschaften, über wichtige Veränderungen der finanziellen oder wirtschaftlichen Situation in ihrem Geschäftsbereich die Öffentlichkeit zu informieren. Diese der Markttransparenz dienende Vorschrift nach § 15, Abs. 2 WpHG wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (auch hinsichtlich eines allfälligen Missbrauchs durch schönfärberische Verlautbarungen) im einzelnen kontrolliert. Eine ad-hoc publizitätspflichtige Tatsache ist unverzüglich (d. h. ohne schuldhaftes Verzögern) mitzuteilen und zu veröffentlichen. Dies hat unabhängig von den Börsenhandelszeiten zu geschehen. Vorsätzlich oder grob fahrlässig, unvollständig oder unrichtig abgegebene Ad-hoc-Meldungen begründen eine Schadensersatzpflicht.

Nicht mit Sanktionen belegt bleiben bisher Äusserungen der Organvertreter ausserhalb von Ad-hoc-Mitteilungen, vor allem in Hauptversammlungen, Presse, Funk und Fernsehen. Es liegt im eigenen Interesse eines Unternehmens, auch schlechte Nachrichten, vor allem Verluste, sofort zu publizieren. Denn (wie sich mehrfach, vor allem auch im Zuge der Subprime-Krise, gezeigt hat) über kurz oder lang werden diese ruchbar, und schaden als länger anhaltende Gerüchte vor allem einer Bank bei weitem mehr als eine zeitnahe, klare Verlustmeldung.

Siehe Aktionärsbrief, Angaben, verschleierte, Delisting, Entscheidungsnützlichkeit, Frontrunning, Informations-Aufschub, Gerüchtestreuen, Kursbetrug, Kursmanipulation, Marktmissbrauchs-Richtline, Marktmanipulation, Pervasive Constraint, Public Disclosure, Publizität, situationsbezogene, Push, Schadensersatzpflicht, Salami-Taktik, Stimmrecht-Offenlegung, Umsatzzahlen, falsche, Veröffentlichung, unverzügliche, Scalping, Umstände, bewertungswichtige, Verbraucherbeschwerden, Vorhersagen, Werbebeschränkungen, Whistleblower.

Vgl. die Adressenliste zu elektronisch verbreiteten Ad-hoc-Mitteilungen im Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 34, Jahresbericht 2002 der BaFin, S.158 ff., Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 192 ff., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 174, S. 187 (drastische Strafen), S. 192, S. 196 ff. (Fälle), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 166 ff. (S. 167: Übersicht der Ad-hoc-Mitteilungen seit 2003), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 175 ff. (neuere Rechtsentwicklung; Verfahren wegen Verstösse), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 184 ff. (S. 185: Übersicht der Ad-hoc-Veröffentlichungen seit 2003), Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 164 ff. (Statistik 2004 bis 2008), Jahresbericht 2009 der BaFin, S. 189 f. (ein Unternehmen kann von der Ad-hoc-Publizität befreit werden, wenn es der Schutz seiner berechtigten Interessen erfordert, keine Irrführung der Öffentlichkeit zu befürchten ist und das Unternehmen die Vertraulichkeit der Insiderinformation gewährleisten kann; neu gefasster Emittentenleitfaden der BaFin) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Kapitel „Aufsicht über den Wertpapierhandel und das Investmentgeschäft.“ Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Advance Letter (so auch im Deutschen; seltener Warmhaltebotschaft): Im Finanzbereich ein Werbebrief (ad mail) mit dem Zweck, Aufmerksamkeit für die Dienste einer Bank zu erwecken; in der Regel als Vorlauf zu einem späteren Anruf oder Besuch und oft mit einem Lockangebot (Köder; appetiser) ausgestattet. Siehe Akzessibilität, Anruf-Ankündigung, Beziehungspflege, Call Centre, Canvassing, Cold Calling, Mail Shot. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Advanced Execution Services, AES (so auch im Deutschen gesagt): Ein besonders gestaltetes (Simulations)System von Berechnungen im Zuge des Algorithmic Trading zur Vereinfachung des weltweiten Wertpapierhandels, von der Credit Suisse eingerichtet. Es soll wie ein professioneller Broker denken und sich entsprechend verhalten mit dem Ziel, Risiken für den Kunden möglichst klein zu halten, die Performance jedoch zu verbessern. Siehe Centre of Excellence, Diversity and Inclusion, One-Bank-Delivery. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Alternativbank (alternative bank): Institut, das sich hinsichtlich der Einlagen mit einer bestimmten Bevölkerungsgruppe verbunden ist und in der Regel auch in Bezug auf die Ausleihungen besondere Ziele verfolgt. In Deutschland zählt hierzu beispielsweise die anthroposophisch ausgerichtete „Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken“ in Bochum. Siehe Bank, kirchliche, Beziehungsbankgeschäft, Clubbing, Geomarketing, bankliches, Kundenbindung, Networking. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Agio (agio, premium): Allgemein eine Summe, die zu einem gegebenen Betrag hinzuzurechnen ist. Siehe Aufgeld, Zuschuss, Zuzahlung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Agiotage (stock-jobbery; defraud): Gründer einer Aktiengesellschaft begeben Aktien und versprechen glänzende Geschäfte. Die Aktie wird daraufhin mit einem hohen Aufgeld (Agio) gezeichnet. Nunmehr verkaufen die Gründer die Aktien wieder und streichen den Gewinn ein. Es war von vornherein gar nicht beabsichtigt, das Aktienkapital zu Investitionen einzusetzen. Dank der Wachsamkeit der Börsen und der Aufsichtsbehörden sind solche, vor allem in 19. Jht. häufige Praktiken heute sehr selten geworden. Agiotage in dieser Form kommt aber auf dem grauen Markt auch jetzt noch immer vor.

Früher auch gesagt vom Handel mit Devisen, Wertpapieren und anderen Vermögenswerten gegen hohes Aufgeld; allgemein wucherische Geschäfte (hawkish deals) auf dem Finanzmarkt. In diesem Sinne häufig gebraucht in der sozialistischen Anklageliteratur (accusatory literature) des 19 Jhts. gegen das marktwirtschaftliche System (marked-based economy). Anderer Ausdruck für (durchaus legale) Differenzgeschäfte. Siehe Commercials, Dampfstube, Danismus, Finanzgeier, Gründungsschwindel, Insider-Umsatzanreize, Kapitalmarkt, grauer, Kulisse, Leerverkauf, Misochrematie, Offshore-Finanzplätze, Racheengel, Rohstoff-Terminver­trag, Schwindelbank, Übersatz, Underground Banking, Wucher. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Airbag-Zertifikat (airbag certificate; airbag = Prallkissen): Zertifikat, bei dem der Anleger an der Kurssteigerung eines Basiswertes je nach Partizipationsfaktor teilnimmt. Verluste des Basiswertes werden bis zu einer vereinbarten Schwelle abgefedert. Notiert der Basiswert bei Fälligkeit oberhalb des Basiskurses, dann erhält der Anleger den Gegenwert ausbezahlt. Liegt der Basiswert am zum Fälligkeitstermin unterhalb des Basiskurses, so gewinnt der Tilgungsfaktor an Bedeutung. Dieser errechnet sich, indem man den Basiskurs durch das Absicherungsniveau teilt.

Der Tilgungsfaktor wird in der Regel in Prozent angegeben; durch Multiplikation mit dem Basispreis ergibt sich der Rückzahlungsbetrag an den Anleger bei Fälligkeit. Airbag-Zertifikate weisen meistens eine Laufzeit von vier bis fünf Jahren auf. Wie bei fast allen Grundtypen, so gibt es auch bei diesem Zertifikat zahlreiche Varianten. Beim Airbag-Plus-Zertifikat wird die Teilnahme an den Kurssteigerungen durch einen Cap begrenzt; dieser Nachteil wird durch einen höheren Partizipationsfaktor ausgeglichen. Siehe Bonus-Zertifikat, Diskont-Zertifikat, Express-Zertifikat, Garantie-Zertifikat, Hebel-Zertifikat, Outperformance-Zertifikat, Partizipations-Zertifikat, Sprint-Zertifikat, Twin-Win-Zertifikat, Zertifikat. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktie (share, US: stock): Wertpapier, das den Anteil an einer Gesellschaft (in Deutschland an einer Aktiengesellschaft [AG] oder Kommanditgesellschaft auf Aktien [KGaA]) verbrieft. Die Ausgabe von Aktien wird als Begebung (Emission) bezeichnet. Aktien, die gemeinsam begeben werden, bezeichnet man als Tranche. Aktien werden zunächst bei der Gründung der Gesellschaft und später üblicherweise im Rahmen von Kapitalerhöhungen ausgegeben. Die Besonderheit der Aktie liegt darin, dass sie (im Gegensatz zu sonstigen Schuldtiteln) vom Emittenten nicht zurückbezahlt werden muss und an der Börse gehandelt werden kann.

Aktionärsrechte werden regelmässig durch Stammaktien (im Börsenjargon auch „Stämme“; ordinary shares, US: common stocks) vertreten. Die Gesellschaft kann darüber hinaus Anteile auch in Form von Vorzugsaktien (im Börsenjargon „Vorzüge“; preference share, US: preferred stock) mit bestimmten, gesetzlich umrissenen Sonderrechten begeben. Siehe Aktienmarkt, Anteilschein, Emissionsgeschäft, Ersterwerber, Garantiesyndikat, Konzertzeichner, Leeraktie, Leitwert, Plazierung, Quotenaktie, Safe Haven Flows, Schmuckanleihe, Stammaktie, Vorratsaktie, Wert, zyklischer, Wertpapier-Verkaufsprospekt, Zulassungsstelle, Zweitplazierung, Zwischenschein.

Vgl. den Anhang „Statistik des Euro-Währungsbiets“, Rubrik „Finanzmärkte“ im jeweiligen Monatsbericht der EZB, dort Umlauf und Jahreswachstumsraten von Aktien, nach verschiedenen Gesichtspunkten unterteilt. In der Rubrik „Finanzkonten und nichtfinanzielle Konten“, Unterrubrik „Wichtige Verbindlichkeiten der nichtfinanziellen Sektoren“ auch Daten über die Emission von börsennotierten Aktien. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktie, gemischte (composite share): In der älteren deutschen Börsenliteratur Bezeichnung für einen Anteil an einer Gesellschaft, die Kohle und Stahl in einem Unternehmensverbund erzeugt („gemischtes Werk“ genannt), wie etwa die Fried. Krupp AG in Essen. Siehe Montanwerte. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktie, nennwertlose auch Quotenaktie und Stückaktie (no-par-value share): Wertpapier, das dem Inhaber einen bestimmten Anteil am Grundkapital einer AG oder KGaA gewährt. Bei der sprechenden Quotenaktie ist der Prozentsatz auf der Aktien-Urkunde aufgedruckt, bei der stummen Quotenaktie fehlte dieser und wird nach den jeweils gültigen Regeln der Gesellschaft ermittelt. Bis 1998 durften solche Aktien in Deutschland nicht begeben werden. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.


Aktie, rückgabeberechtigte (mandatory redeemable share): Anteil an einer Aktiengesellschaft, der zu einem bestimmten Termin oder beim Eintreten eines bestimmten Ereignisses (etwa: Hinschied des Aktienbesitzers) vertraglich zwingend von der Gesellschaft zurückgenommen werden muss; entweder durch Zahlung in Bargeld oder durch Übertragung von Vermögenswerten des Unternehmens. Nach FSAS 150 sind Aktien mit Rückgaberecht als Verbindlichkeit zu buchen. Gemäss SFAS 128 dürfen ausgegebene Aktien, die mit einem Rückgaberecht ausgestattet sind, bei der Berechnung des Ergebnisses pro Aktie (earnings per share) nicht im Nenner als ausgegebene Aktie gezählt werden. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktie, stimmrechtslose auch Vorzugsaktie (non-voting share; preferential share): Wertpapier, das zwar einen Anteil an einer AG oder KGaA verbrieft, den Inhaber aber vom Stimmrecht auf der Hauptversammlung ausschliesst. Dafür erhält der Aktionär in der Regel eine höhere Dividende. Siehe Aktie, Stammaktie. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktien, zyklische (cyclical shares): An der Börse Bezeichnung für Aktien von Unternehmen, deren Gewinn innert kurzer Zeitabschnitte auffälligen Schwankungen ausgesetzt war. Grund dafür sind in der Regel entsprechend starke Absatzmarktschwankungen, bedingt vor allem durch Konjunkturwellen, durch ungünstige Wechselkurse oder auch durch schwankende Witterungsverhältnisse. Siehe Adressenausfall-Risiko, Baubranche, Konjunkturzyklus, Normalverteilungs-Doktrin, Risiko, Wert, zyklischer. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktien-Analyse (share analysis): Die Beurteilung von Aktien hinsichtlich verschiedener Merkmale (vor allem: Rendite, Sicherheit). Entsprechende Studien, in der Regel mit Empfehlungen versehen, sind stets sehr genau auf ihre Herkunft zu prüfen, weil häufig genug bestimmte Interessen mit der Veröffentlichung verbunden sind. Siehe Ad-hoc-Mitteilung, Agiotage, Anleger, verständiger, Bear Raid, Bull Raid, Börsenbetrug, Börsengerüchte, Börsenspiele, Citigroup-Manipulation, Delisting, Frontrunning, Geheimtip, Geschäfte, abgesprochene, Internet-Foren, Kursbetrug, Kursmanipulation, Marktmanipulation, Nominee, Prearranged Trades, Scalping, Scheintransaktionen, Schlangenhandel, Umstände, bewertungswichtige, Wertpapieranalyse. – Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 188. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktienanleihe (equity-linked bond, reverse convertible bond): Der Emittent eines solchen Papiers behält sich das Recht vor, die Begebung unter im einzelnen genau festgelegten Bedingungen durch Lieferung von Aktien zu tilgen. Im Gegensatz zu den üblichen festverzinslichen (fixed interest bearing) Wertpapieren weisen die Aktienanleihen einen höheren Nominalzins aus. Denn während der Anleger in bei einem festverzinslichen Wertpapier sein eingesetztes Kapital bei Fälligkeit zu 100 Prozent zurückerhält, ist dies bei Aktienanleihen nicht unbedingt der Fall. Denn der Basiswert kann bei Fälligkeit der Anleihe unter dem Bezugspreis liegen. Siehe Aktien-Optionen, Anleihe, strukturierte, Diskont-Zertifikat, Zertifikat. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktienbestände (share [US. stock] portfolio): Wenn nicht anders definiert der Besitz an Aktien in den Händen der Wirtschaftssubjekte in einem Gebiet. Für die Eurozone findet sich der Aktienbesitz ausgewiesen im Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds“, Unterrubrik „Wertpapierbestände der MFIs, Aufschlüsselung“ im jeweiligen Monatsbericht der EZB; in der Unterrubrik „Neubewertung ausgewählter Bilanzpositionen der MFIs“ auch Bewertungsänderungen der Aktien-Portfolios. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktienbuch (stock register, stock book): Bei einer Aktiengesellschaft geführtes Verzeichnis, in das nach Vorschrift von § 67 AktG die emittierten Namensaktien und Zwischenscheine unter Angabe des Inhabers nach Namen, Wohnsitz und Beruf einzutragen sind. Gemäss § 68 AktG ist auch ein Übergang von Namensaktien und Zwischenscheinen im Aktienbuch förmlich zu beurkunden. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktienfonds (share based fund, equity fund): Hauptsächlich in Aktien angelegtes Vermögen einer Kapitalanlagegesellschaft. Siehe Aktienkurs-Gleichlauf, Aktienquote, wahre, Anlageausschuss, Balanced Fund, Länderfonds, Long-Short-Arbitrage, Spezialfonds. Im jeweiligen Monatsbericht der EZB finden sich im Anhang „Statistik des Euro-Währungsgebiets“, Rubrik „Monetäre Entwicklungen, Banken und Investmentfonds“, Unterrubrik „Aktiva der Investmentfonds im Euro-Währungsgebiet nach Anlageschwerpunkten und Anlegergruppen“ detaillierte Aufstellungen über die Aktienfonds.

Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 177 (Richtlinie über Fondskategorien), Monatsbericht der EZB vom Juni 2007, S. 28 ff. (anteilsmässige Gliederung der Fonds). Im monatlich erscheinenden Statistische Beiheft „Kapitalmarktstatistik“ der Deutschen Bundesbank auch Zahlen über die Anzahl, den Anteilumlauf und das Vermögen inländischer Aktienfonds (domestic share based), nach verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktienhandel (share transactions): Der Verkauf und Kauf von Aktien auf allen Vertriebswegen. Über die Begebung börsennotierten Aktien sowie über deren Umsätze im Euro-Währungsbiet veröffentlicht die EZB eine detaillierte Statistik. Vgl. zu deren Erfassungstechnik und Informationsgehalt den Monatsbericht der EZB vom Januar 2004, S. 20 ff. sowie den Anhang „Statistik des Euro-Währungsbiets“, Rubrik „Finanzmärkte“ im jeweiligen Monatsbericht der EZB, dort Umlauf und Jahreswachstumsraten von Aktien, nach verschiedenen Gesichtspunkten unterteilt. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktienindex (share index): Anhand eines Musterdepots (Aktienkorb) errechnete statistische Kennzahl über die Entwicklung der erfassten Aktienkurse an einer oder mehrerer Börsen. Der Stand des jeweiligen Index hat (wie die Erfahrung zeigte) für Kauf- und Verkaufsentscheidungen eine erhebliche Bedeutung. Auch gelten Gesamtmarkt-Indizes (wie etwa der Dax) weithin als Konjunkturbarometer. Bei längerer Betrachtung eines Aktienindex ist stets auf Veränderungen des Aktienkorbes zu achten.

Auch muss das nicht selten anzutreffende Übergewicht bestimmter Standardwerte, und sintemal bei kleineren Börsen, berücksichtigt werden. Siehe Composite, Dax, Dow-Jones-Average, Kursindex, Nemax, Performanceindex, Swiss Market Index, Xetra. Vgl. den Verlauf wichtiger Indizes im Teil „Statistik des Euro-Währungsgebiets“ des jeweiligen Monatsberichts der EZB, Rubrik „Finanzmärkte“, Unterrubrik „Börsenindizes“; Monatsbericht der EZB vom Juni 2006, S. 40 f. (Veränderungen in der Zusammensetzung der Aktienkurs-Indizes; mit Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktienkapital (share capital): Der Nennwert (Nominalwert im Unterschied zum Kurswert) aller ausgegebenen Aktien einer Aktiengesellschaft, ohne Rücksicht darauf, in wessen Hände diese sich befinden. Siehe Aktienmarkt. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktienkurs-Risiko (equity price risk): Allgemein das Verlustrisiko aufgrund der Schwankungen von Aktienkursen. Besonders betroffen sind davon Versicherungen. In Europa hatten im Jahr 2002 die Versicherungsunternehmen 31 Prozent ihres Vermögens in Dividendenpapieren (in den USA nur 4 Prozent) angelegt; sie verloren von Ende 1998 bis Ende 2002 rund 45 Prozent aufgrund der Börsen-Baisse. Auch die EZB ist bei ihren geldpolitischen Operationen dem Aktienkursrisiko in dem Masse ausgesetzt, wie sie Aktien als Sicherheiten anerkennt.

Bei einem Stress-Test in der Regel die Annahme, dass ein plötzlicher, unerwarteter Kurssturz innert eines Monats um 30 Prozent auf allen Aktienmärkten eintritt. Siehe Aktien-Portfolio, abgesichertes, Aktien, zyklische, Aktienrisiko-Prämie, Aktuar, Deckungsstock, Quanto, Sicherungsvermögen, Unsicherheit, Volatilitätsrisiko. Vgl. Monatbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2003, S. 59 f., Monatsbericht der EZB vom April 2007, S. 36 ff. (Messung der Unsicherheit am Aktienmarkt), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2007, S. 93 ff. (Vergleich der Regelungen für Sicherheiten bei der EZB mit USA und Japan; viele Übersichten), Monatsbericht der EZB vom November 2008, S. 93 ff. (Aktienmarktbewertung und Aktienrisiko-Prämie; ausführliche Darstellung). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktienkurs-Volatilität (shares market volatility): Die Veränderung der Aktienkurse in einem Gebiet oder auch einer Branche innert eines bestimmten Zeitraums. Siehe Aktienmarkt-Volatilität, Marktrisiko, Volatilitätsrisiko. Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2008, S. 45 ff. (Aktienkurs-Volatilität gelegentlich der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht Deutschen Bundesbank vom Februar 2010, S. 46 f (Volatilität des Dax). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktienmarkt (share market, equity market, stock market): Das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage für die Begebung und für den Handel von Eigentums-Anteilen an Unternehmen (the market in which equities are issued and traded). Der wesentliche Unterschied zwischen Aktien und Schuldtiteln besteht darin, dass Aktien vom Emittenten nicht zurückbezahlt werden müssen (equities do not have to be repaid by the issuer). Siehe Aktienhandel, Börse. Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 67 ff. (Strukturelle Veränderungen am Aktienmarkt und Konsolidierung der Börsen; ausführliche Darstellung).
Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktien-Optionen (share [US: stock] options): Vertrag, der für den Käufer das Recht (nicht aber die Verpflichtung) enthält, an einem oder bis zu einem bestimmten Zeitpunkt Aktien zu einem festgelegten Preis (Ausübungspreis) zu kaufen oder zu verkaufen. Gemäss den International Accounting Standards müssen Aktien-Optionen als Ausgaben bilanziert werden; in Deutschland gehören sie noch immer zum Ausserbilanzgeschäft. Spitzenmanagern (chief executive officers, CEOs) gewährte Bezahlung mit Anteilen am eigenen Unternehmen.

Der ursprüngliche Sinn ist, dem Management einen Anreiz zu bieten, den Wert des Unternehmens zu steigern. Weil jedoch der Ausübungspreis bei fallenden Börsenkursen oftmals nach unten angepasst wird, und weil sich grundsätzlich das Einkommen der Vorstandsmitglieder nicht mindert, wenn der Unternehmenswert sinkt, geriet diese Vertragsart ab etwa 2000 stark in die öffentliche Kritik (sie schaffe „perverse Anreize“). Siehe Aktienanleihe, Belegschafts-Aktien, Call, Dedicated Short Bias, Hedge-Fonds, Hurdle Rate, Nominee, Option, Put, Vorstandsbezüge. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Januar 2006, S. 31 ff. (ausführliche Darstellung).
Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktien-Portfolio, abgesichertes (covered share portfolio): Portfolio, das aus Gründen der Risikominimierung sowohl eine Option zum Kauf als auch zum Verkauf einer ganz bestimmten Aktie enthält. Siehe Butterfly-Spread, Call, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Stellagegeschäft, Straddle, Strangle. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktien-Risikoprämie (equity risk premium): In vereinfachter Form der Unterschied zwischen dem erwartetem Aktienkurs und dem risikofreiem Zinssatz, praktisch die Verzinsung von Staatsanleihen. Je höher sich ceteris paribus die Aktienrisikoprämie bemisst, desto günstiger sind die Erwartungen auf Kurssteigerungen von Aktien. Siehe Aktienkurs-Risiko.

Vgl. Monatsbericht der EZB vom November 2008, S: 96 f. (Berechnung; Erklärungen), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2009, S. 25 (Risikoprämie bei Dax-Werten seit 1991), Geschäftsbericht 2009 der Deutschen Bundesbank, S. 29 (Aktienrisikoprämien im Vergleich zu Kursindizes), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2020, S. 47 (Unterschied europäische Aktien gegenüber einer Anlage, ermittelt anhand eines Dividendenbarwert-Modells). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktien-Rückkauf (buyback of shares): Der Rückkauf eigener Aktien durch eine Gesellschaft. Dies ist dann für das Unternehmen sinnvoll, wenn mehr Eigenmittel zur Verfügung stehen, als für Investitionen nötig sind. Durch den Aktienrückkauf steigt in der Regel der Wert der an der Börse verbleibenden Aktien. In Deutschland darf der Nennwert der so erworbenen Aktien nach derzeitiger Rechtslage 10 Prozent des Aktienkapitals nicht übersteigen.

Siehe Erwerbsangebot, Pflichtangebot, Self Tender, Squeeze-out, Vorratsaktien. Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 208 (zur aufsichtsrechtlichen Seite), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 175 (Missbrauchsgefahr), Monatsbericht der EZB vom Januar 2006, S. 31 ff. (ausführliche Darstellung), Monatsbericht der EZB vom Mai 2007 (lehrbuchmässige Darstellung; Übersichten; Literaturhinweise). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktien-Split (share split; stock split): Die Aufteilung einer Aktie in zwei (selten auch: mehrere) Papiere. Grund für eine solche Massnahme ist in der Regel die nach aussenhin erscheinende Verbilligung der Aktie und damit ihre Chance, an der Börse von mehr Käufern beachtet und nachgefragt zu werden. Der Status der bisherigen Aktionäre verändert sich durch das Splitting nicht; das Vermögen der Gesellschaft verteilt sich nunmehr lediglich auf mehr Aktien als zuvor. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktien-Spread, kontinentaler (continental share spread): Wenn nicht anders definiert, die Abweichungen in der Kursentwicklung von Aktien an den Börsen in Europa und in den USA (seltener auch auf Japan bzw. Asien gesamthaft bezogen). Vgl. ausführlich Monatsbericht der EZB vom März 2006, S. 41 ff. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktien-Symbol (ticker symbol): Codemässige Kursbezeichnung einer Aktie, etwa UBS N für Namensaktien der Schweizerischen Bankgesellschaft AG. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktientausch-Übernahme (takeover by share [US: stock] stock barter): Der Erwerb eines Unternehmens dadurch, dass Aktionäre der zu übernehmenden Firma (Zielgesellschaft) mit Aktien (seltener auch mit anderen Wertpapieren) des Übernehmers (Bieters) abgefunden werden. In Deutschland gilt seit 2002 das Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz, das diesen Tausch regelt. Der Bieter hat danach eine Angebotsunterlage zu veröffentlichen, die ganz bestimmte Angaben enthalten muss und von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht überwachtkontrolliert wird.

Siehe Abwehrmassnahme, Asset Sales Deal, Buy out, Fairness Opinion, Fusionen und Übernahmen, Konzentrationskurs, Pflichtangebot, Ritter, weisser, Spin-off, Squeeze-out, Synergiepotentiale, Transaktionsbonus, Übernahme-Angebot. Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 18, Jahresbericht 2002 der BaFin, S. 171 ff., Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 182 f. (Schwierigkeiten bei Anforderungen unterschiedlicher Rechtsordnung). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktien-Zertifikat (share certificate, stock certificate): Wertpapier, das eine Aktie vertritt bzw. ersetzt. Es unterscheidet sich regelmässig von der Aktie durch den Kotierungsort und durch die Währung, auf die das Zertifikat lautet. Beispielsweise kann eine russische Aktie als Aktien-Zertifikat an der Neuyorker Börse in USD zum Handel zugelassen (kotiert) sein. Siehe American Depositary Receipts, Wertpapiere, Zertifikat. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aktionärsbrief (letter to shareholders): Von Aktiengesellschaften in der Regel vierteljährlich oder halbjährlich an die Anteilseigner (und die Wirtschaftspresse) verschickter Zwischenbericht des Vorstands. Die Mehrzahl der Mitteilungen läuft nach kritischen Auswertungen (weltweit!) verschickter Schreiben nach der Folge ab Darstellung widriger Umstände innert der Berichtszeit, Beteuerung, dass man die veränderten Marktverhältnisse als Herausforderung ansieht, Vorstellung eines Aktionsprogramms (übliche Bestandteile: organisatorische Anpassung, Kostensenkung, Personalumschichtungen, Portfoliobereinigung, Schwerpunktverlagerung auf die Kernkompetenzen und ähnlich), Betonung, dass man sich gut gewappnet fühlt, um im Wettbewerb zu bestehen, Lob der Mitarbeiter, Dank an die Aktionäre, Versprechen besserer Ergebnisse.

Bitte, weiterhin Geduld zu haben und dem Unternehmen die Treue zu halten und abschliessende Zusicherung, dass es bald steil aufwärts gehe. Es hat sich bis anhin als sehr schwierig gezeigt, gegen erkennbar teilwahre und geschönte Aussagen in einem Aktionärsbrief rechtlich vorzugehen; denn die Gerichte sehen in dem Aktionärsbrief eine unverbindliche Abwägung der Geschäftslage durch den Vorstand. An die Glaubwürdigkeit eines Aktionärsbriefes dürften daher keine allzu strengen Masstäbe angelegt werden. Dieselbe Einstellung vertraten auch Aufsichtsbehörden in Bezug auf entsprechende Aktionsbriefe von Finanzdienstleistern. Siehe Angaben, verschleierte, Informations-Aufschub, Public Disclosure, Publizität, situationsbezogene, Salami-Taktik, Umsatzzahlen, falsche, Veröffentlichung, unverzügliche, Umstände, bewertungswichtige, Vorhersagen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Allfinanz (financial products completely, universal financial services): Das Angebot sämtlicher mit dem Geldverkehr zusammenhängenden Geschäfte (neben Bankdienstleistungen vor allem auch Versicherungen) durch einen einzigen Anbieter allein (dann in der Regel mit breitem Zweigstellennetz sowie elektronischem Zugang zu den einzelnen Sparten) oder in Zusammenarbeit mit einem oder mehreren anderen. Siehe Allianzen, grenz­überschreitende, Bankassekuranz, Finanzkonglomerat, Gibrat-Regel, Gigabank, Megamanie, One-Bank-Delivery, Subsidiaritätsprinzip. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom April 2005, S. 40 f. (dort auch wichtige Unterscheidungen). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Am Geld (at the money): Eine Option (Kaufoption oder Verkaufsoption) ist „am Geld“, wenn der Ausübungspreis dem Preis des Basiswertes am Kassamarkt genau entspricht (an option is at the money when the price of the underlying asset is equal to the strike price). Die Ausübung der Option ist für den Inhaber diesfalls weder mit einem Gewinn noch mit einem Verlust verbunden (the intrinsic value is zero). Siehe Aus dem Geld, Im Geld, Option, Optionswert. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Analyse, technische (technical analysis): An der Börse die künftige Markteinschätzung und Beurteilung des Preises eines Wertes (Währung, Wertpapier, Ware, Terminkontrakt) aufgrund des bisherigen Marktverlaufs und dessen Bestimmungsgründe. Ein wichtiger Teil dabei ist das Chart Reading, das sich auf die graphische Darstellung (Charts) vergangener Kursverläufe stützt. Die Tätigkeit der technischen Analyse wird auch Investment Research genannt, und den auf dieser Grundlage arbeitenden Analysten nennt man oft auch Techniker (technicians).

Die Untersuchung auf den Finanzmärkten allgemein mit dem Zweck, entsprechende Empfehlungen abzugeben. Personen, die solches, mit welchem methodischen Werkzeug auch immer, öffentlich betreiben (Analysten) unterliegen in Deutschland der Aufsicht und den Bestimmungen der Ende 2004 in Kraft getretenen Finanzanalyseverordnung. Siehe Analyst, Charts, Fibonacci-Folge, Finanzanalyse, Histogramm, Journalisten-Privileg, Kartierung, Random-Walk-Hypothese, Strichdiagramm, Techniker. Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 126 (erhöhte Anforderungen durch das Anlegerschutzverbesserungsgesetz) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Analysten-Beeinflussung (influencing of analysts): Empfehlungen des Managements eines Unternehmens an Analysten (vor allem gelegentlich einer Analysten-Konferenz vermittels der Weitergabe von Insider-Informationen), bestimmte Papiere der Kundschaft anzubieten. Die auswahlweise Weitergabe bestimmter Informationen an nur einige wenige Analysten durch ein Unternehmen, um dem jeweiligen Analysten einen Informationsvorsprung zu gewähren. Bei einem Institut die Anweisung der Geschäftsleitung an Analysten, bestimmte Finanzprodukte günstig zu beurteilen, weil dies im Interesse des Hauses liegt. Siehe Analyst, Emissionsabsprache. Vgl. Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 149 (Konfliktfälle). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Analysten-Rating (analyst rating): Von Analysten vor allem bei Banken ausgesprochene Empfehlungen für oder gegen den Kauf eines Finanzprodukts. Diese Ratings können je nach Grösse des Instituts bzw. Ansehen des Analysten grossen Einfluss auf den Kurs des Finanzproduktes (vor allem auf börsennotierte Aktien) haben. Dabei sind weltweit bestimmte englischsprachige Formulierungen ein bis zwei Wörtern gebräuchlich, vor allem: Strong Buy = unbedingte Kauf-Empfehlung; Buy = Kauf-Empfehlung; Hold = Halten; Sell = Verkaufs-Empfehlung; Strong Sell = unbedingte Verkaufs-Empfehlung, Accumulate = nachkaufen (bei einem Rückgang des Kurses). Siehe Akataphasie, Analysten-Beeinflus­sung, Börsensprache, Finanzanalyseverordnung, Finanzsprache, Rating-Agenturen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anderson-Skandal (Anderson scandal): Der Zerfall der altehrwürdigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Anderson in den USA im Jahr 2004. Die global tätige Firma hatte 2001 zwei Tonnen Akten des ins Trudeln geratenen Energieriesen Enron vernichtet, wurde deshalb vom Obersten Gerichtshof der USA in letzter Instanz wegen Behinderung der Justiz verurteilt und büsste ihre Lizenz in allen 50 Staaten der USA ein. Dadurch verloren viele Gesellschafter ihre Einlagen und etwa 90 000 Angestellte ihren Arbeitsplatz (Anderson stand weltweit an Platz 5). Anderson war auch in den Zusammenbruch der WorldCom 2002 verwickelt. – Siehe Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Angels, fallen, Beratungs-Prüfungs-Mix, Bilanz-Skandal, Regulierungs-Arbitrage, Principal-Agent-Problem, Sarbanes-Oxley Act. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anfangsmarge (initial margin): Beim Kauf wie auch beim (Leer-)Verkauf eines Basiswertes auf Termin muss man bei Vertragsabschluss über einen bestimmten Geldbetrag verfügen. Dieser entspricht in der Regel einem Prozentsatz vom Gesamtwert des abgeschlossenen Vertrags, den die Bank verlangt. Zusätzlich wird nun während der Laufzeit des Vertrags periodisch eine Änderungsmarge ermittelt. Sie errechnet sich aus dem Buchgewinn bzw. Buchverlust, der sich aus der Wertveränderung des Vertrags bzw. des Basiswertes zu Marktpreisen ergibt.

Die Änderungsrate kann im Falle eines Buchverlustes (Nachschuss-Marge) ein Mehrfaches der Anfangsmarge betragen. Siehe European Master Agreement, Futures-Märkte, Kontrahent, zentraler, Margenausgleich, Margendeckung, Nachschuss-Aufforderung, Nachschuss-Vereinbarung, Option, Rohstoff-Terminvertrag, Schwankungsmarge. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Juli 2006, S. 63 ff. (Auswirkungen der Margins auf den Finanzmarkt gesamthaft). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Angstsparen (panic saving): Privathaushalte mindern ihre Konsumquote und erhöhen die Sparquote, weil sie schlechte Erwartungen hinsichtlich ihrer künftigen Einkommens­verhältnisse hegen. Siehe Güter, kaufhäufige, Konsumschwäche, Staatsverschuldung, konsummindernde, Vorschatten-Effekte. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2007, S. 52 (Zusammenhang zwischen Vorsichts-Sparen und Einkommensunsicherheit). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anlageberatung (investment consulting, investment advisory services): Nach der Definition der Aufsichtsbehörden die Abgabe persönlicher Empfehlungen an einen Kunden entweder auf dessen Aufforderung oder auf Initiative der Wertpapierfirma, die sich auf ein oder mehrere Geschäfte mit Finanzinstrumenten beziehen. In Deutschland bedürfen solche Dienstleister einer Erlaubnis und unterliegen der Kontrolle durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht; sie wird als Wertpapier-Dienstleistung eingestuft.

Siehe Anlage-Empfehlung, Anlage-Risiko, Analyse, technische, Analyst, Blog, Börsenbriefe, Direct Brokerage, Daimonion, Domizil-Verschleierung, Finanzanalyse, Finanzanalyseverordnung, Finanzberater, Finanzunternehmen, Frontrunning, Geheimtip, Internet-Foren, Journalisten-Privileg, Honorarberater, KWG-Vermittlerverordnung, Marktmissbrauchs-Richtli­nie, Nachweismakelei, Private Banking, Portaldienst, Pump and Dump, Rendite-Risiko-Grundsatz, Talentknappheit, Twitter, Verbraucherbeschwerden.

Vgl. Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 34 f., Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 124 f. (mit Verweis auf die Ende 2004 in Kraft getretene Finanzanalyseverordnung und auch auf § 34b WpHG), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 133 ff. (Darlegung der Verhaltensregeln), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 143 (Beratung und Vermittlung von Fondsanteilen bleiben weiter zulassungsfrei), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 107 (Merkblatt herausgegeben), S. 139 f. (neue Rechtslage; Erlaubnisanträge) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anlage-Diversifizierung (asset diversification): Die (laufend überwachte) Aufteilung eines Portfolios oder des Vermögens einer Kapitalanlagegesellschaft nach verschiedenen Anlagearten (wie Beteiligungen, Finanzinstrumente, Grundstücke, Edelmetalle) verschiedenen Fälligkeiten, unterschiedlichen Währungsgebieten oder geographischen Regionen, um Risiken zu beschränken. Siehe Anlageausschuss, Anlage-Risiko, Auftragsfonds, Risikomanagement, Vieleck, magisches. Vgl. Monatsbericht der EZB vom März 2008, S. 45 ff. (wachsende Vorleibe für hochliquide Anlagen empirisch dargelegt und erklärt). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.


Anlage-Empfehlung (investment suggestion): Allgemein der Vorschlag an Privatanleger, sich bestimmten Wertpapieren (nicht) zuzuwenden. Soweit dies öffentlich und geschäftsmässig betrieben wird, handelt es sich in Deutschland um erlaubnispflichtige Anlageberatung. Im besonderen Kauf- bzw. Verkaufanregungen in den von Banken her-ausgegebenen Veröffentlichungen, die meistens von hauseigenen (zentralen) Fachabteilungen (Research Department) herausgegeben werden. Grundsätzlich ist solchen Empfehlungen gegenüber ein gesundes Misstrauen angebracht. Denn begreiflicherweise besteht hier die Neigung, in erster Linie dem Eigeninteresse der Bank zu dienen.

Siehe Anlageberatung, Analyse, technische, Analyst, Analysten-Rating, Beratung, Blog, Börsenbriefe, Chinese Wall, Compliance, Dampfstube, Falschberatung, Fibonacci-Folge, Finanzberater, Geheimtip, Gründungsschwindel, Investment Research, Marktmissbrauchs-Richtlinie, Mitarbeiter-Leitsätze, Nachweismakelei, Twitter, Verbraucherbeschwerden, Wertpapieranalyse. Vgl. Jahresbericht 2001 des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel, S. 7, Jahresbericht 2003 der BaFin, S. 35 (international gültige Grundsätze in Bezug auf Empfehlungen), S. 112 f. (Verbreitung von Empfehlungen über die Medien), Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 124 f. (Überwachung der Verhaltensregeln; Prüfungen zu diesem Zweck), S. 126 (genauere Anforderungen durch dass Anlegerschutzverbesserungsge­setz), Jahresbericht 2005 der BaFin, S. 199 (eine Kundenunterschrift ist aufsichtsrechtlich nicht vorgeschrieben) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anlage-Risiko (investment risk, investor’s risk): Ein allfälliger Verlust daraus, dass man sein Geld in einen Vermögenswert oder in mehrere Vermögensgegenstände umwandelt. Eine solche Verlustgefahr besteht immer, bei jederart Investition; sie ist dem Umstand zuzuschreiben, dass man grundsätzlich durch die Tätigkeit der Geldanlage Zahlungsmittel aus dem eigenen Besitz in die Verfügungsgewalt von Vertragspartnern überträgt. Offenkundig jedoch gibt es vielerlei Abstufungen bei der Gefahr eines Verlustes; abhängig in erster Linie wohl davon, welchen Vertragspartner (unbekannter Anbieter im Internet einerseits, Bank des Vertrauens andererseits) und welchen Anlagegegenstand (hie Edelmetall wie Gold, da von einer Zweckgesellschaft emittierte Papiere) man wählt.

Eine risikolose Anlage gibt es trotz wiederholter gegenteiliger Behauptungen selbst in bezüglichen Lehrbüchern und in scheingelehrten Fachaufsätzen nicht! Auch wer sein Geld in Goldbarren investiert, muss damit rechnen, dass der private Goldbesitz behördlich verboten wird, wie beispielsweise in den USA zwischen 1933 und 1976. Mannigfach und sehr anschaulich lehrt die Geschichte, dass diesfalls liebe Mitmenschen, nicht zuletzt auch geschwätzige Familienangehörige und neidische Freunde, rasch dafür sorgen werden, dass der verborgene Goldhort durch Amtswalter des Staates beschlagnahmt, der Goldhorter empfindlich bestraft und gesellschaftlich geächtet sowie der Denunziant fürstlich belohnt wird.

Vergessen sei nicht, dass auch das Horten von Bargeld zu Hause (Matratzengeld) die Gefahr von Verlust in sich birgt. Im Masse der Inflationsrate mindert sich nämlich die Kaufkraft der Barhorte. Siehe Anlage-Streuung, Risiko, Risikoanleger, Risikofähigkeit.
Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anlage-Streuung (portfolio diversification): Das Bestreben, sich gegen starke Veränderungen im Preis von Wertpapieren (und Vermögensgegenständen überhaupt) durch Aufteilung in verschiedene Titel zu schützen. Verschiedene Portfoliotheorien bilden eine solche Diversifikation in teilweise sehr mathematisierten (mathematised) und fast immer die steuerlichen Gegebenheiten ausklammernden Modellen an. Gegen (gar weltweit) ausgeprägte, marktweite Kursänderungen von Anlagegegenständen aller Art kann man sich aber grundsätzlich nicht schützen, weil diese durch Gleichläufigkeit gekennzeichnet sind.

Siehe Allokation, Anlagemodell, Anlage-Risiko, Erwartungstheorie, neue, Financial Engineering, Finanztheorie, Finanzmarkt-Stress, Portfolio-Optimierung, Preisänderungen, gleichlaufende, Risiko, systematisches, Volatilität. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom September 2005, S. 62 f. (Volatilität in der Vergangenheit, mit verschiedenen Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anlage-Umschichtung, währungsbestimmte (currency-spread induced shifting of capital): Anleger ziehen in spürbarem Masse Geld aus einer schwachen Währung ab und parken es in einer starken Währung. Vor Eintritt in die Europäische Währungsunion waren Zeiten der USD-Schwäche regelmässig mit Umschichtungen zugunsten der DEM verbunden.

Die dadurch bewirkte Aufwertung der DEM verursachte innert der Europäischen Währungssystems erhebliche Spannungen mit einem mitunter für die deutsche Wirtschaft deutlichen Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit, vor allem auch im Verhältnis zu den europäischen Partnerländern. Mit der Einführung des EUR verteilen sich die Anpassungslasten bei Anlage-Umschichtungen von USD zu EUR auf mehrere Länder und innereuropäische Wechselkursverschiebungen sind weggefallen. Das ist für die stark exportabhängige deutsche Volkswirtschaft von grossem Vorteil. Siehe Wechselkurs-Effekt, realer. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anleger-Informationspflicht ( information requirement): Banken in sind gesetzlich verpflichtet, den Kunden spätestens vor der Annahme seines Kaufauftrags für Wertpapiere über die Eigenschaften und Risiken der Anlageform zu unterrichten und auf andere erhebliche Umstände hinzuweisen, z. B. auf die Möglichkeit der Limitierung von Aufträgen oder auf Mindest-Ordergrössen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat entsprechende Richtlinien hierzu erlassen und überwacht diese gesetzliche Vorschrift.

Die Kunden selbst begegnen den vorgeschriebenen Belehrungen gegenüber oft genug verärgert oder unterschreiben die mehrseitigen Informationsblätter, ohne diese durchzulesen, an der „markierten Stelle“. Siehe Aufklärungspflicht, Bankkunden-Profil, Derivates-Informations-Pflicht, Derivate-Kodex, Editionsgebot, Handelssystem, multilaterales, Informationspflicht, Odd-Lot, Prospekt-Rechtssetzung der EU, Risikobericht, Umstände, bewertungswichtige. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anlegerschutz (protection of [for] investors): Alle Vorkehrungen mit dem Ziel, Misstände in allen Sektoren auf der Angebotsseite des Finanzmarktes zu verhindern. Siehe Aufsicht, Ausschuss-Wahn, Beaufsichtigung, vollständige, Capture-Theorie, Herstatt-Pleite, Marktmanipulation, Marktmissbrauchs-Richtlinie, Pensionsfonds-Richtlinie, Rechtsrisiken, Reithinger-Masche, Richtlinie über die Märkte für Finanzinstrumente, Sarbanes-Oxley Act, Solarenergie, Sparerschutz, Straitjacking. – Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 126 f. (zum Anlegerschutzverbesserungsgesetz), Jahresbericht 2006 der BaFin, S. 34 (Empfehlungen zum Thema Financial Education), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 48 f. (besondere Regelungen bei Versicherungsprodukten) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anleihe (bond, loan): Allgemein die Aufnahme fremden Geldes durch eine Wirtschafts­einheit; ein Darlehn, ein Kredit. Im besonderen eine Schuldverschreibung (Obligation), die in bestimmter Stückelung und mit zuvor festgelegter Verzinsung von Unternehmen oder dem Staat ausgegeben werden. Bei der Finanzierung über Anleihen fallen unabhängig von der Höhe des aufgenommenen Betrags ansehnliche Ausgaben (wie Provisionen, Beratungs- und Veröffentlichkosten) an. Allein wegen der hohen Fixkosten einer Emission kommen Anleihen daher nur für Firmen mit hohem Fremdkapitalbedarf in Frage.

Siehe Aktienanleihe, Annuitätsanleihe, Auslandsanleihe, Bankschuldverschreibung, Borgkraft, Clean Price, Darlehn, Disagio, Duration, Euromarkt, Finanzinstrument, Fiscal Agent, Fremdwährungsanleihe, Geldwerte, Gemeindeanleihen, Inhaberschuldverschreibung, Kredit, Kreditspread, Kriegsanleihe, Laufzeitenrisiko, Metalliques, Payment-in-Kind-Anleihe, Plazierung, Schuldtitel, Staatsanleihe, Straight Bond, Umtausch-Anleihe, Verlosung, Sparprämienanleihe, Step-down-Anleihe, Tap, Umwandlung, Unternehmensanleihen, Verbriefung, Wandelanleihe, Zinsänderungsrisiko, Zinsstruktur, Zwangsanleihe, Zwangswandelanleihe.. Vgl. Monatsbericht der EZB vom Februar 2005, S. 26 ff. (Statistisches), Monatsbericht der EZB vom April 2005, S. 74 (Vergleichbarkeit der Statistiken), Jahresbericht 2005 der EZB (Anleihen öffentlicher Haushalte im Euroraum, mit Übersichten), Monatsbericht der EZB vom August 2010, S. 18 ff. (Anleihen im Eurogebiet seit 2006; Typologie; Übersichten). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anleihe, variabel verzinsliche (floating rate notes): Schuldverschreibung (zumeist öffentlicher Stellen), die mit einem Schuldner-Kündigungsrecht ausgestattet ist. Dieses erlaubt es dem Emittenten, die Emission nach einer Sperrfrist zu jedem Zinstermin vorzeitig zu tilgen bzw. den Zinssatz erneut festzulegen. Die Zinsen werden über einen Referenzzinssatz ermittelt. Dieser ist neuerdings in der Regel der 3-Monats-EURIBOR.


Nicht zu den variabel verzinslichen Anleihen zählen Schuldverschreibungen, die bereits bei der Begebung mit im Zeitverlauf unterschiedlichen Zinssätzen ausgestattet sind (provided with different interest rates at different times), wie etwa Bundesschatzbriefe (Federal saving notes). Siehe Euro-Bonds, Floater, Floor, Konversionsanleihe, Step-down-Anleihe. Vgl. das monatlich erscheinende Statistische Beiheft „Kapitalmarktstatistik“ der Deutschen Bundesbank zum Umfang der Begebungen und in den Erläuterungen wichtige Definitionen und Einteilungen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Anleiherendite (bond yield): Wenn nicht anders definiert, so versteht man darunter den Brutto-Ertrag aus zehnjährigen Staatsanleihen. Von den Zentralbanken beobachtet, weil sich aus den Rendite-Abständen internationale Kapitalverschiebungen (mit)erklären lassen. Siehe Credit Default Swap-Spreads, Unternehmensanleihen. Vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom August 2005, S. 37 (Übersichten EUR/USD seit 2003), Monatsbericht der EZB vom September 2005, S. 35 ff. (Rendite-Abstände erklärt), Monatsbericht der EZB vom Oktober 2006, S. 25 ff. (Anleiherenditen in den USA verglichen mit anderen Zinssätzen). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Arbitrage (arbitrage): Allgemein die Ausnutzung unterschiedlicher Kurse bei gleichzeitigem Kauf (Verkauf) von Finanzinstrumenten oder Waren an der gleichen Börse (Intra-Marktgeschäfte) oder an verschiedenen bzw. Börsen (Inter-Marktgeschäfte), in verschiedenen Kontraktmonaten, zwischen Kassa- und Terminmarkt oder von unterschiedlichen, aber zueinander bezogenen Waren. Arbitrageure erreichen so die Angleichung der Bedingungen von Kontrakten.

Arbitrage-Geschäfte im engeren Sinne sind risikolos, da Kauf (auf dem billigeren Markt) und Verkauf (auf dem teureren Markt) gleichzeitig getätigt werden. Anders verhält es sich bei Arbitragegeschäften im weiteren Sinne. Hier versucht man, Abweichungen von der in der Vergangenheit beobachteten Preisentwicklung ähnlicher oder in enger Wechselbeziehung stehender Waren bzw. Finanzinstrumenten auszunutzen. Siehe Carry Trades, Daytrading, Intermarkt-Spread, Positionen, synthetische, Kursdifferenzhandel, Option, Rohstoff-Terminvertrag. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Asset Management (so auch im Deutschen, manchmal in einem Wort oder auch mit Bindestrich geschrieben): Die Verwaltung der Vermögenswerte eines Unternehmens nach buchhalterischen und steuerlichen Gesichtspunkten. Bei einer Bank ein Bereich, der für Privatkunden, institutionelle Anleger sowie für öffentliche Stellen aus vielen Möglichkeiten (wie Aktien, Anleihen, Immobilien, Hedge-Fonds-Anteile, Edelmetalle, Gutschriften in Fremdwährung, Optionen oder Fonds) geeignete Investitionen in (jeweils festgelegter) Absprache mit dem Kunden auswählt und verwaltet. Siehe Auftragsfonds, Multi-Boutique-Ansatz, Investment Banking, Vermögensverwalter. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aufgeld
(premium; contango): Eine Zahlung, die man gemäss besonderer Umstände zu einer bereits geleisteten Summe zu leisten hat. Bei Münzen und Medaillen der Schlagschatz. Im Börsenhandel allgemein der Unterschied zwischen dem Nennwert und dem höheren Kurswert eines Wertpapiers, ausgedrückt in Prozent des Nennwertes; auch Agio, Aufschlag, Aufpreis oder Prämie genannt. Ist auf dem Devisen markt der Kassakurs niedriger als der Terminpreis, so wird die Termindevise mit einem Aufschlag (Report) gehandelt.

Speziell im Optionshandel: der (höhere) Preis, den ein Optionskäufer bezahlt, um eine Option zu erstehen, der Optionspreis. Bei Kapitalanlagesellschaften (Investmentfonds): die Gebühr, welche der Anleger beim Erwerb von Anteilen zur Deckung der Ausgabe- und Rücknahmekosten zu zahlen hat; auch Ausgabe-Aufschlag, Agio und (beim Umsteigen von einem Fonds in einem anderen innert der gleichen Kapitalanlagegesellschaft) Switchgebühr (switch fee) genannt. Die Vergütung dafür, dass man Kaufkraft für eine gewisse Zeit an einen anderen überträgt (Darlehn): der Zins.

Früher auch der Lohnzuschlag an einen beauftragten Handwerker, der an einem Montag Dienstleistungen erbrachte. Die marktübliche Zuzahlung, die früher beim Umtausch von Papiergeld in Kurantmünzen (vor allem Münzen in Gold) gefordert wurde. Siehe All-in-Fee, Ausgabe-Aufschlag, Disagio, Legegeld, Minderschätzung künftiger Bedürfnisse, Montagsgeld, Option, Schlagschatz, Seignorage, Swapsatz, Switcher, Zollaufgeld, Zuzahlung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aufklärungspflicht (information requirements, suitability check[ing]): Banken in Deutschland sind verpflichtet, vor dem Kauf von Finanztermingeschäften den Anleger über die damit verbundenen Risiken aufzuklären und eine Unterschrift unter ein entsprechendes Dokument zu verlangen. Rechtsgrundlage ist § 37d WpHG. Siehe Anleger-Informa­tionspflicht, Derivate-Informationspflicht, Derivate-Kodex, Editionsgebot, Informationspflicht, Informations-Überladung, Kapitalanlage-Mustervertrag, Risikobericht, Risikoüberwachung, gegliederte. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aufsichtsbehörden (supervisory authorities; prudential authorities, regulatory authorities): Allgemein die in einem Staat gesetzlich eingerichteten Instanzen zur Kontrolle der Tätigkeit auf den Finanzmärkten. Deren Handeln bewirkt eine positive Externalität, weil die Stabilität des Finanzsystems dadurch gestärkt wird. In Euroland hat sich ein dezentrales System der Aufsicht herausgebildet; es nutzt die Nähe und die besonderen Kenntnisse der verantwortlichen nationalen Instanzen und verbindet dies mit verschiedenen Formen enger grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

Siehe Allfinanzaufsicht, Aufsicht, europäische, Aufsicht, weltweite, Aufsichts-Dreieck, Ausschuss der Europäischen Wertpapieraufsichtsbehörden, Auswirkungsstudien, Bilanzposten-Deckelung, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Eidgenössische Bankenkommission, Calls for Advice, Cassis-de-Dijon-Urteil, Commodity Futures Trading Commission, Consolidating Supervisor, Enforcement, Federal Deposit Insurance Corporation, Federal Reserve System, Financial Services Authority, Forum Europäischer Wertpapierbehörden, Fragmentierung, aufsichtliche, Free Banking, Fünfhunderter-Regel, Internationale Organisation der Wertpapier-Aufsichtsbehörden, Kleinstversicherer, Lead Supervisor, Lamfalussy-Vorschlag, Makroprudentiell, Office of Comptroller, Office of Thrift Supervision, Peter-Regel, Runder Tisch der Regulierungsbehörden, Sarbanes-Oxley Act, Securities and Exchange Commission, Strukturkonservativismus, Transparenzgrad, Vereinbarungen über den Informationsaustausch, Zwölf-Felder-Risikomatrix.

Vgl. Jahresbericht 2004 der BaFin, S. 32, S. 43 (Übersicht der verschiedenen Gremien) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin; Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Januar 2006, S. 49 (Gegenüberstellung der Aufsicht in Deutschland, England und den USA), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 111 ff. (neue Aufsichtsrichtlinie mit Abgrenzung der Zuständigkeiten von Deutscher Bundesbank und BaFin), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 63 (Leitfaden für die Arbeit und Zusammenarbeit der Aufsichtsgremien). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Aus dem Geld (out of the money): Eine Option (Kaufoption oder Verkaufsoption) ist „aus dem Geld“, wenn der Preis des Basiswertes am Kassamarkt unter (über) dem Ausübungspreis liegt. In diesem Falle ist es für den Inhaber eines Optionsvertrags nicht lohnend, die Option auszuüben. Siehe Am Geld, Basis, fallende, Im Geld, Option, Rohstoff-Terminvertrag.
Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Ausgabepreis (issue price; investment certificate price): Bei einer Aktie oder Obligation der Nettobetrag, der für den Kauf der entsprechenden Neuemission zu bezahlen ist. Zu dieser Summe treten unter Umständen noch Erwerbskosten, wie vor allem die Courtage der Bank, welche die Anschaffung des Papiers vermittelt hat. Vielfach wird eine Neuemission provisionsfrei bei den Anlegern plaziert; die Kosten übernimmt diesfalls der Emittent.

Bei einem Investmentfonds der (in der Regel börsentäglich berechnete) Betrag, der für einen Anteil (= ein Zertifikat; investment certificate) zu bezahlen ist. Er setzt sich zusammen aus dem Anteilswert zuzüglich eines, die Kosten der Verwaltung des Fonds (fund management) deckenden Ausgabe-Aufschlags. Zur Bestimmung des Anteilswerts werden alle Vermögenswerte des Fonds zum Tageskurs bewertet und durch die Zahl der ausgegebenen Zertifikate geteilt. Siehe Begebung, Bezugspreis, Bookbuilding, Bought Deal, Mehrzuteilungs-Option, Emissions-Rendite, Roadshow. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Ausschuss der Europäischen Bankenaufsichtsbehörden (Committee of European Banking Supervisors, CEBS): Im Januar 2004 gegründetes Fachgremium der in die Bankenaufsicht eingebundenen europäischen Behörden mit Sitz in London; bisher dem Ausschuss für Bankenaufsicht beigeordnet. Wichtiger Teil der Aufgaben von CEBS ist die Beratung der EU-Kommission beim Entwurf von Regulierungsvorhaben.

Siehe CEBS-Untergruppe zur operationalen Netzwerken für grenzüberschreitend tätige Bankengruppen, Three Level Three Committees. Vgl. Jahresbericht 2008 der BaFin, S. 40 f. (Koordinationsbedarf einzelstaatlicher Massnahmen bei der Finanzkrise) sowie den jeweiligen Jahresbericht der BaFin, Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Dezember 2009, S. 53 ff. (internationale Zusammenarbeit bei der Aufsicht) Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Ausschüttung (distribution). Allgemein jeder Gewinn, der aus einer Vermögensanlage erzielt wurde und dem Investor zufliesst. Siehe Erfolg, Ertrag, Investition, Kapital, Kapitaleinkommen, Rendite, Vermögen. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Ausserbörslich (over-the-counter, OTC): Finanzprodukte, die nicht an der Börse gehandelt, sondern zwischen Händler und Käufer (vor allem Hedge-Fonds) zweiseitig (bilateral; bilateral) abgewickelt werden. Die Nachteile dieser Handelsform sind vor allem der Umfang der Geschäfte und die Preise bleiben verborgen, der Preisbildungsprozess ist nicht durchschaubar, eine Marktüberwachung (wie an der Börse) gibt es nicht der Risikogehalt der gehandelten Papiere bleibt weitgehend unbekannt und bei unerwartet auftretenden Preisverwerfungen (reeling of prices) auf dem Finanzmarkt versiegt der ausserbörsliche Handel jäh, wie sich mehrfach und zuletzt im Gefolge der Subprime-Krise (in the slipstream of the turmoil surrounding sub-prime crisis) deutlich gezeigt hat.

Denn Hedge-Fonds nehmen für ihre verschiedenen Marktaktivitäten laufend Geld auf und bieten Vermögenswerte als Sicherheit. Sinkt nun der Wert der gebotenen Sicherheiten aufgrund der allgemeinen Marktentwicklung, dann kommen die Banken mit einer Nachschuss-Aufforderung auf den Hedge-Fonds zu. Um dieser nachkommen zu können, aber auch um die laufenden Zahlungen zu begleichen, werden Papiere aus dem Fondsvermögen abgestossen; für den Kauf neuer Titel fehlt es daher an Liquidität.

Der Vorteil der ausserbörslichen Geschäfte liegt darin, dass diese innert kürzester Zeit abgewickelt werden können. Zwischen dem (telephonischen) Angebot einer Zweckgesellschaft an einen Hedge-Fonds zur Übernahme von Verbriefungspapieren und der Kaufzusage seitens des Fondsmanagement liegen oft nur Minuten. Siehe Hedge-Fonds-Gefahren, Notierung, genannte. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Auszahlung (payment): Bei einer Bank die Abgabe von Bargeld an einen Kunden aus dessen Konto. Die Abgabe von Bargeld an einer Ladenkasse durch Belastung der vorgelegten Kundenkarte oder Kreditkarte. Dies kommt (auch wenn im Zuge eines Kaufs nur Spitzenbeträge ausbezahlt werden) grundsätzlich dem Betreiben des Kreditgeschäfts durch den Ladeninhaber gleich und ist erlaubnispflichtig; die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat dazu ein eigenes Merkblatt herausgegeben. Bei einem Unternehmen die Minderung der liquiden Mittel (etwa durch Überweisung vom eigenen Konto an das Finanzamt). Demgegenüber sind Ausgaben nur Erhöhungen der Verbindlichkeiten oder die Minderung von Forderungen. Siehe Einzahlung, Karte, Kassenkladde, Zahlung. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Auszug (account statement, accounts current): Im Finanzbereich meint man damit eine Abschrift (Kopie; copy) des Kontostandes. Heute bieten die meisten Institute ausser der kennwortgesicherten (password protected) Einsicht in die Kontenbewegungen (account movements) über Internet auch eine Kontenstands-Abfrage über das Telephon oder einen Ausdruck der Buchungen über einen Kontendrucker (print output) an. Siehe Benutzerfreundlichkeit, Geschäftsstelle, vollautomatische. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Automaten-Abhebegebühr (withdrawal charge at cash machines): Belastung, die bei einer Entnahme von Bargeld an einem nicht-institutseigenen Geldausgabeautomaten von dem automatenaufstellenden Institut verrechnet wird. Die Anschaffung und der Betrieb (Befüllung, Sicherung, Wartung) der Maschinen ist mit Kosten verbunden. Die Institute wollen mit der Gebühr verhindern, dass Kunden fremder Banken und gar von Internatbanken den für den eigenen Kundenkreis gedachten Service nutzen. Hintergrund ist in Deutschland die Tatsache, dass die Grossbanken zwischen 1995 und 2010 etwa 20 000 Auszahlstellen abgebaut haben, während vor allem die Sparkassen diesen Dienst erweiterten. – Siehe Bargeldbeschaffung, Bargeldkarte, Bargeldkreislauf, Direktbank, Geldautomaten-Sperre, Geldkarte, Geschäftsstelle, vollautomatische, Internetbank, Kontostands-Abfrage, Skimming. Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.