Platinpreis im Verhältnis zu Goldpreis so niedrig – wie zuletzt im 19. Jahrhundert

Eine unbekannte Erfolgsgeschichte über Platin, dessen Preis momentan über 300 Dollar unter dem für Gold liegt. Der Platinpreis liegt nun bereits seit über zwei Jahren unter dem Goldpreis. Dies ist die längste Zeitspanne für solch eine Differenz seit rund 1900.

Platins täglich bestimmter Referenzpreis in London – dem Zentrum des weltweiten physischen Edelmetallhandels – liegt seit bereits Mitte Januar 2015 stets unter dem Tagespreis von Gold. Diese Zeitspanne übertrifft somit die bis dahin längste Phase zwischen 2011 und 2013. Davor lag der Platinpreis seit 1996 über dem Goldpreis – lediglich mit einer kurzen Unterbrechung nach der Lehman-Pleite in 2008.

Am vergangen Montag weitete sich der Preisunterschied gegenüber Gold auf über 300 Dollar je Feinunze aus. Als diese Differenz zuerst kurz vor dem Brexit-Referendum im Juni 2016 erreicht wurde, stellte sie noch einen Allzeit-Rekord dar. Betrachtet man die jährlichen Durchschnittspreise, so lag der Platinpreis zweimal Anfang der 1980er Jahre unter dem von Gold.

Bis Anfang der 1970er Jahre galt noch der Goldstandard, der als fixes Wechselkurssystem für den US-Dollar diente. Sobald dieser jedoch durch das Bretton-Woods-System abgelöst wurde, war der Dollar nicht mehr mit Gold hinterlegt, was bei Gold zu größeren Preisschwankungen führte und wodurch sich die Preise von Gold und Platin stärker aneinander annäherten.

Die Platinpreise sind in 2017 bislang noch nicht so stark gestiegen wie die der anderen Edelmetalle. Der Grund dafür lag sicherlich auch in den vielen negativen Schlagzeilen über die Schadstoffemissionen bei Dieselmotoren – der Industriebereich, aus dem die größte Nachfrage nach Platin stammt, da das Edelmetall zur Reduzierung des Schadstoffausstoßes bei Autokatalysatoren und anderen Filtern beiträgt.

Als Reaktion zu den zahlreichen negativen Nachrichten um die Manipulation von Stickoxiden und Partikelemissionen gab Londons Bürgermeister Sadiq Khan in der letzten Woche bekannt, dass Halter von alten Dieselfahrzeugen zukünftig eventuell 12,50 Pfund pro Tag zahlen müssen – zusätzlich zu den 11,50 Pfund, die Autofahrer ohnehin schon zu zahlen haben, wenn sie unter der Woche während den üblichen Arbeitszeiten in den Innenstadtbereich fahren.

Platin könnte genutzt werden, um die Euro-6-Norm zu erfüllen und sogar zu übertreffen“, schrieb Jonathan Butler vom japanischen Mischkonzern Mitsubishi mit Hinblick auf die neuesten europaweiten Emissionsstandards für Neufahrzeuge.

„Aber darüber wird nicht in den Massenmedien berichtet.“

Die derzeitige Euro-5-Norm wird mittlerweile auch vielerorts außerhalb Europas angewandt, und selbst die neue Regelung in China beruht auf der europäischen Norm. Strengere Regeln führen gewöhnlich zu einer stärkeren Nachfrage von Platin, da die Katalysatoren mehr arbeiten müssen, um den Schadstoffausstoß weiter zu reduzieren.

In Großbritannien wurden trotz der Negativschlagzeilen im März fast 250.000 neue Dieselfahrzeuge registriert – laut der Society of Motor Manufacturers und Traders (SMMT) ein Rekordergebnis.
Die neuen Euro-6-Fahrzeuge sind die saubersten der Geschichte, schreibt die SMMT weiter. Die jüngsten Londoner Busse, die damit ausgestattet sind, stoßen gegenüber dem Vorgängermodell 95% weniger Stickoxide aus.

„Tatsache ist, dass, falls alle Busse in [Großbritanniens] Hauptstadt mit der Euro-6-Version ersetzt werden würden, die gesamte Stickstoff-Emission Londons um 7,5% fallen würde.“

Gut ist, dass in letzter Zeit auch der Kauf von Platin in Form von ETFs leicht zugenommen hat, steht in einer Handelsnotiz der chinesischen ICBC Standard Bank, die sich auf börsengehandelte Fonds, die mit dem Edelmetall unterlegt sind, bezieht.

Wir sind der Meinung, dass [Platin-] Preise aus dem Tal raus sind, schreibt Analyst Nkateko Mathonsi von der südafrikanischen Investmentbank Investec und verweist dabei auf die Erholung der weltweiten Wirtschaft.

Von Steffen Grosshauser
BullionVault

 


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