DAX – die Angst vor dem Börsencrash

Am Dienstag kam es zu Anschlussverkäufen – und schon am frühen Nachmittag schien klar. Der Index wird den wichtigen Durchschnitt der letzten 200 Handelstage, der aktuell bei 11.648 Punkten verläuft, wohl nicht halten. Kurzzeitig war sogar das Vorwochen-Verlaufstief von 11.560 Punkten unterboten. Doch was passierte dann, die US-Börsen explodierten kurz nach US-Handelsstart und zogen den DAX im Kielwasser mit.

Kurz nach 15:30 Uhr wies der Dow Jones ein Minus von 60 Punkten aus. Als die erste Handelsstunde vorüber war, notierte er bis zu 600 Punkte höher. Am deutschen Aktienmarkt liefen viele nur zu gerne hinterher, immerhin bot sich so die Chance, das Ruder im letzten Moment doch noch herumzureißen, die 200-Tage-Linie zu retten. Was vor allem manchem großen Akteur am Terminmarkt wie ein Wunder vorgekommen sein dürfte, der kurz davorstand, sich mit Blick auf die übermorgen anstehende Abrechnung der Aktien- und Indexoptionen am Terminmarkt auf eine Schieflage einzustellen.

Dass dieser Abrechnungstermin an der Terminbörse so nahe liegt, kann hilfreich sein, den DAX jetzt kurzfristig höher zu tragen. Aber dass die Anleger gestern die Geburtsstunde eines wirklich tragfähigen neuen Aufwärtsimpulses erlebt haben, war ohnehin äußerst fraglich.

Schon die US-Rallye entbehrte jeglicher Grundlage. Auslöser war eine Meldung, China habe bestätigt, dass die Verhandlungen in Sachen Handel in den nächsten zwei Wochen wieder aufgenommen werden. Diese Verhandlungen wurden mehrfach abgebrochen, neu begonnen und wieder abgebrochen, es gibt keinen Grund, dass es diesmal anders kommen wird. Zumal sich an der „Strategie“ der US-Regierung, die aufgrund ihrer aggressiven Vorgehensweise ja förmlich um Chinas Widerstand bettelt, nichts ändern wird. Und selbst wenn man überzeugt wäre, dass es diesmal funktioniert:

Trader-Konto_180x150Wenn es so käme, wäre die EU als nächster Sparringspartner der USA nur umso früher fällig. Und auch die zeitgleich lancierte Meldung, dass die USA einen Teil der auf 1. September terminierten Strafzölle verschieben, ist nicht bullisch. Denn da geht es um diejenigen Waren, die das Weihnachtsgeschäft betreffen. Dass Trump & Co. diese Waren vorerst von der Liste nehmen belegt nur, dass man dort langsam realisiert, dass eben doch vor allem die US-Verbraucher die Zeche des Handelskriegs zahlen.

Dass die US-Börsen derart schnell auf Nachrichten hin stiegen, die jegliche Substanz vermissen lassen, belegt nur – wie dünn die Nerven im Bullen-Lager mittlerweile sind. Man klammert sich an jeden Strohhalm. Aber Strohhalme sind gemeinhin nicht besonders gut als Fundament einer Aufwärtswende geeignet. Und dass der DAX ins Plus drehte, dadurch die 200-Tage-Linie und das Juni-Tief verteidigte, mag zwar ein unmittelbares Short-Signal verhindert haben.

Die inverse Zinskurve

In den USA schlagen Notenbanker und Börsianer Alarm, weil eine „inverse Zinskurve“ droht. Die ist oft das erste Anzeichen für einen Abschwung, zumindest statistisch. Was ist eine „inverse Zinskurve“ und wo liegt die Gefahr droht?

Von einer inversen Zinskurve spricht man, wenn die Renditen kurzfristiger Staatsanleihen höher sind als bei langfristigen. In der Vergangenheit war das stets ein Zeichen für eine kommende Rezession. Greenspan ließ sich einmal davon nicht beirren – und führte die USA in die Finanzkrise – weil er nicht richtig darauf reagiert hat.

Wie damals bewegt sich die Zinskurve auch heute wieder in Richtung Inversion. Mehrere Regionalchefs der US-Notenbank schlagen demzufolge Alarm, sie halten die Zinskurve für einen verlässlichen Indikator und befürchten eine Rezession. In der Vergangenheit war das exakt achtmal mal der Fall, wenn es eine inverse Zinskurve gab. Die Schuld dafür geben sie Fed-Chef Jerome Powell – wie seinerzeit bei Greenspan – der sich um eine Normalisierung der Geldpolitik bemüht und die Zinsen in den USA anhebt. Manche wie James Bullard von der St. Louis Fed meinen jedoch, dass er es damit angesichts der niedrigen Inflationsrate übertreibt. Dass er die inverse Zinskurve und die damit drohende Rezession geradezu provoziert. Andere jedoch sehen das nicht so!

Powell hat es nicht leicht, er will die Leitzinsen erhöhen, um den Krisenmodus in der Geldpolitik endlich hinter sich zu lassen. Steigen die Leitzinsen aber, wirkt sich das auf kürzerfristige Staatsanleihen aus. Denn bei höheren Zinsen werden Anleger dem Staat nur dann noch Geld leihen und damit Staatsanleihen kaufen, wenn sie dafür auch kurzfristig eine entsprechende Rendite bekommen. Weil aber unsicher ist, wie sich die Zinsen auf längere Sicht entwickeln, nähern sich die Renditen kurz- und langfristiger Papiere an. Es droht dann die inverse Zinskurve.

Dass eine inverse Zinskurve eine Rezession voraussagt, erklären die Experten mit folgenden Argumenten. Wenn Anleger bereit sind, für eine zehnjährige Anleihe eine geringere Rendite zu akzeptieren als für eine zweijährige, dann tun sie das nur, wenn sie langfristig wieder mit sinkenden Zinsen rechnen. Das wiederum kann nur bedeuten, dass sie mit einer Rezession rechnen, denn nur dann senkt die Notenbank die Zinsen.

Börsianer sind ebenso schnell panisch, wie euphorisch – aber die Nervosität ist aktuell überall zu spüren. Das dürfte sich erst legen, wenn im Handelstreit zwischen den USA und China Licht am Ende des Tunnels – und ein ungeordneter Brexit vom Tisch ist. Bis dahin werden die Märkte nervös und volatil bleiben, also sollten Anleger entspannt bleiben. Denn es gibt immer Anlagemöglichkeiten, auch in solchen Zeiten. Noch besser als Gold, laufen teilweise Staatanleihen – eben wegen der weiteren Zinsphantasie.

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