Die größten Fehler in der Vermögensplanung und Altersvorsorge

Vermögensplanung, Altersvorsorge und Finanzen im allgemeinen sind für die meisten eher Themen – mit denen sich die Menschen nicht so gerne beschäftigen. In der Regel liegt das an dem fehlenden Wissen und dem Desinteresse an diesen Themen. Da ist es schon einfacher, sein Geld einfach auszugeben – oder es auf dem Sparbuch liegen zu lassen. Übrigens das Buch, das sich Anleger getrost sparen können. Es gibt so gut wie keine Zinsen, das Geld ist der Inflation ausgesetzt und die reale Verzinsung liegt demzufolge im Minusbereich.

Wir haben mal einige Fehler und Irrtümer der persönlichen Vermögens- und Altersvorsgeplanung zusammengefasst

1. Ich habe ja noch Zeit
Ich habe noch genügend Zeit, weil ich jung bin. Wenn ich nur einen Tipp geben dürfte, dann würde dieser lauten – so früh als möglich mit der Finanzplanung zu beginnen. Selbst wenn Sie zu Beginn nur kleine Beträge monatlich in einem breit gestreuten ETF investieren – und diesen Betrag kontinuierlich steigern, sobald Ihr Einkommen dies zulässt – werden Sie im Alter über ein beträchtliches Vermögen verfügen. Durch den Cost-Average-Effekt – Durchschnittskosteneffekt – tendiert das Risko bei einer langen Laufzeit gegen Null. Beim Ansparen spielt der Faktor Zeit eine extrem wichtige Rolle – wegen des Zinseszinseffekts. Dies beruht darauf, dass einmal erzielte Gewinne wieder neue Gewinne abwerfen, dadurch wächst das Vermögen exponentiell an.

Dazu ein simples Beispiel – Sie investieren 10.000 Euro über 30 Jahre und erzielen dabei eine durchschnittliche Rendite von 5,69 Prozent pro Jahr. Dann haben Sie am Ende 52.600 Euro zur Verfügung, wenn man die Steuern außen vor lässt. Wer nur für 20 Jahre anlegt, kommt dagegen nur auf 30.240 Euro. Er müsste schon eine durchschnittliche Rendite von 8,7 Prozent erzielen, um die gleiche Summe wie der 30-Jahre-Investor zu erreichen. Das zum Thema „Faktor Zeit und Zahl“.

2. Die gesetzliche Rentenversicherung macht das schon
Grundsätzlich haben wir in Deutschland ein solides, gesetzliches Rentenversicherungssystem. Das kann aber nur als Fundament dienen, als ein Teil der gesamten Altersversorgung. Wer sich im Alter nur auf die gesetzliche Rentenversicherung stützt, wird später weit weniger Geld zur Verfügung haben, als in seinem Arbeitsleben. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden die Renten mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter sinken, auch wenn die Bundesregierung das Rentenniveaus bis 2025 stabilisieren will.

Übrigens müssen auch Rentner Steuern zahlen – und diese steuerliche Belastung steigt immer weiter. Die Zahl der steuerpflichtigen Rentner steigt schrittweise an, weil der Gesetzgeber festgeschrieben hat, dass der steuerpflichtige Rentenanteil in den nächsten Jahren weiter zunimmt. Wer 2018 in den Ruhestand geht, muss 76 Prozent seiner gesetzlichen Rente versteuern. 2019 erhöht sich der steuerpflichtige Rentenanteil für Neurentner auf 78 Prozent und 2020 auf 80 Prozent. Danach klettert er weiter, und zwar um einen Prozentpunkt jährlich, bis die Rente im Jahr 2040 voll steuerpflichtig ist. Alleine das macht schon deutlich, dass die private Altersvorsorge künftig unverzichtbar ist.

3. Immobilien sind eine gute Altersvorsorge
Die Immobilienpreise steigen seit Jahren überproportional an, auch weil die Zinsen extrem niedrig sind – und das wird auch noch jahrelang so anhalten. Da spricht durchaus einiges für Immobilien, vor allem für das selbstgenutzte Objekt. Das eigene Haus oder die eigene Wohnung kann – wenn bei Renteneintritt abbezahlt – einen wertvollen Beitrag zur Altersvorsorge leisten. Allerdings ist auch dann das Wohnen zum Nulltarif eine Illusion. Nebenkosten, die bei Haus und Grundstück höher sind, als in einem Mietobjekt sind dabei zu berücksichtigen. Eine Heizungsanlage oder eine Dachrenovierung kompensieren schnell den Gegenwert einer Halbjahresmiete. Auch der Immobilienkauf sollte gut durchkalkuliert und durchdacht sein. Alternativ kann man sein Geld auch gut Anlegen und von den Erträgen einen Teil der Miete bezahlen. Wer dann in einem neuen Objekt wohnen möchte, zieht einfach um. Wer nach Neubauprojekten sucht, hat immer den Vorteil des Erstbezugs.

Auch die vermietete Immobilie kann interessant sein, dabei sollte eine stressfreie Bruttomietrendite von 4-5% p.a. erzielt werden. Zudem profitieren Kapitalanleger dabei ggf. von einer Wertsteigerung und Mieterhöhungen. Ob die Mieteinnahmen wirklich so üppig sprudeln wie erhofft, ist zumindest fraglich. Zurzeit sieht es diesbezüglich gut aus, da bezahlbarer Wohnraum fehlt. Politische Eingriffe wie die Mietpreisbremse können die Rechnung jedoch stark beeinflussen.

Diese Aspekte sollte man im Hinterkopf behalten und auf keinen Fall sein gesamtes Kapital in Immobilien investieren. Wichtig ist, das Vermögen für den Ruhestand breit zu streuen. Anlagen in Aktien und Anleihen sollten auf jeden Fall dabei sein. Sie haben zudem den Vorteil, dass sie wesentlich liquider sind, wenn der Anleger unerwartet an sein Geld muss. Übrigens können Anleger auch vom Immobilienboom profitieren, indem in Immobilien-Aktien – sogenannte Reits – investiert wird. Noch einfacher geht es, wenn in entsprechende ETFs – die einen ganzen Immobilienindex abbilden investiert wird. Vor allem bei ETFs, die in US-Immobilienunternehmen investieren, kommen dann ggf. auch noch hohe Dividenden-Ausschüttungen dazu.

4. Die ganze Planung ist zu aufwendig und schwierig
Zugegeben, ganz einfach ist es für viele nicht. Denn bei allem sind einige Unbekannte zu berücksichtigen. Niemand kann vorhersehen, wie hoch die Inflation zukünftig ausfallen wird. Auch die Steuerbelastung ist nur für begrenzte Zeiträume planbar. Dazu kommt noch das Alter, die Menschen werden immer älter. Viele Menschen denken demzufolge, dass sie sowieso nicht abschätzen können, was das Sparen fürs Alter bringt. Dafür gibt es aber gute Altersvorsorgerechner, die Ihnen dabei helfen können. Wichtige Einflussgrößen wie Inflation und Steuern werden berücksichtigt – und können dabei angepasst werden.

5. Ich vertraue meinem Berater
Viele Menschen sprechen bei der Altersvorsorgeplanung zuerst mit ihrem Berater, sei es der Versicherungsberater, der Vermögensberater – oder der Bankberater. Oft sind diese Berater aber nicht unabhängig und stehen in einem Interessenkonflikt. Bezahlt werden die Berater von der Bank, teils über Abschlussprovisionen, oder von der Versicherung – oder der Vertriebsgesellschaft. Zudem sind die Provisionen bei Finanzprodukten aus dem eigenen Haus oft besonders hoch, so dass der Berater einen hohen Anreiz hat, diese Produkte zu verkaufen – auch wenn sie nicht zu den Bedürfnissen des Anlegers passen.

Häufig empfehlen Berater zum Beispiel aktiv gemanagte, klassische Investmentfonds oder Mischfonds. Laut dem Fondsanalysehaus Morningstar weisen Mischfonds im Schnitt laufende Kosten von 1,73 Prozent pro Jahr auf. Als einmaliger Ausgabeaufschlag kommen durchschnittlich noch 2,25 Prozent hinzu. Rechnet man den Ausgabeaufschlag auf vier Jahre um (unter der Annahme, dass jeweils nach vier Jahren in einen neuen Fonds umgeschichtet wird), ergeben sich somit weitere Kosten von 0,56 Prozent pro Jahr. Damit schlägt die Mischfondsanlage bereits mit 2,29 Prozent zu Buche. Zudem schaffen es die meisten Fondsmanager nicht, den jeweiligen Index zu schlagen.




6. Ich lege alles in Fonds- und Lebensversicherungen an
Grundsätzlich ist das schon einmal ein guter Ansatz, aber oft werden die Fonds ausgesucht, die zuletzt eine gute Performence aufweisen konnten. Das muss aber kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen sein. Es kann auch mal an einer besonderen Sektorenstärke liegen, evtl. hat es der gemanagte Fonds auch einfach nur mal geschafft, den Index zu schlagen.

Es gibt Studien, die belegen, dass kaum ein Fonds langfristig, d.h. auf Dauer vorne platziert ist, bzw. bleibt. So blieben laut einer aktuellen Studie des Indexanbieters S&P Dow Jones über einen Anlagezeitraum von zehn Jahren 88 Prozent der Eurozonen-Aktienfonds hinter ihrem Vergleichsindex zurück. Bei den US- und den globalen Aktienfonds waren es sogar mehr als 97 Prozent, die schlechter abschnitten als der Index. Es bleibt also dabei, nur wenig Fonds schlagen den Index, auf Dauer ohnehin nicht.

* Anteil der europäischen und in Euro gelisteten Fonds; Quelle: S&P Dow Jones Indices; Stand: 29.12.2017; laufende Kosten wurden bei der Performance berücksichtigt. Hinweis: Weder vergangene Wertentwicklungen noch Prognosen haben eine verlässliche Aussagekraft über zukünftige Wertentwicklungen.

Was lernt der Anleger daraus? Dass er bei der Fondsauswahl besser auf die Kosten achten sollte, anstatt vermeintlichen Überfliegerfonds nachzujagen. Im Gegensatz zur künftigen Rendite stehen die Gebühren nämlich fest. Und die sind bei aktiv gemanagten Fonds meist ziemlich üppig. Deutsche Aktienfonds haben im Schnitt laufende Kosten von rund 1,5 Prozent pro Jahr. Meist kommen noch weitere Positionen wie Ausgabeaufschläge oder Performancegebühren hinzu. Weit günstiger sind hingegen börsengehandelte Indexfonds, kurz: ETFs. Anders als aktive Fonds versuchen sie erst gar nicht, den Markt zu übertreffen, und bilden die Wertentwicklung eines Aktienindex wie DAX, Stoxx 600 oder S&P 500 fast eins zu eins ab.

Was das Thema Lebensversicherung betrifft, kann man sich die getrost sparen. Hohe Abschlusskosten, nicht fungibel, inflationär, eine zu lange Laufzeit und mehr als schlecht verzinst! Was will man mit so einem Produkt?

6. Aktien sind grundsätzlich zu riskant – im Alter ohnehin
Langfristig sind Aktien die renditestärkste Anlageform. Laut einer Studie der Bank Crédit Suisse hat ein Weltaktienportfolio seit dem Jahr 1900 im Schnitt jährlich 5,2 Prozent Rendite abgeworfen – und zwar real, das heißt – nach Abzug der Inflation.

Allerdings können viele Menschen die Börse nicht einschätzen, sie wissen einfach zu wenig darüber. Dazu haben natürlich auch diverse Krisen beigetragen. Die Dotcom-Blase, die sogenannte Volksaktie der Telekom, die letzte Finanzkrise – und dann auch die diversen üblichen Schwankungen der Börse. Für viele Menschen ist der buchhalterische Kursverlust einer Aktie nur schwer zu ertragen.

Dabei ist es recht einfach, planen und investieren Sie stets über viele Jahre. Denn die Verlustwahrscheinlichkeit sinkt mit steigender Anlagedauer enorm. Wer sein Geld für mehr als 20 Jahre in den DAX oder in den amerikanischen Aktienindex S&P 500 gesteckt hat, hat noch nie einen Verlust verbucht – egal wann er eingestiegen ist. Lesen Sie die letzten 3 Sätze am besten noch einmal!

Das sollten auch ältere Menschen bedenken. Die verbreitete Annahme, die Aktienanlage sei im fortgeschrittenen Alter zu riskant, ist nämlich ein Irrtum. Ein Beispiel verdeutlicht das: Eine Frau, die heute 67 ist und in Rente geht, hat im arithmetischen Mittel noch eine Lebenserwartung von rund 20 Jahren. Sie kann auch weit über 90 Jahre alt werden. Da bleibt noch reichlich Zeit, um Schwankungen an den Aktienmärkten auszusitzen. Deshalb sollten auch ältere Menschen einen Teil ihres Kapitals an der Börse investieren. Dazu kommt, dass viele Vermögen nicht komplett verbraucht werden, sondern oft wird ein Teil davon auch vererbt.




7. Ich warte darauf, dass die Kurse fallen
Der vielleicht häufigste und teuerste Irrtum an der Börse heisst: Ich warte auf günstigere Kurse. Seit fast 10 Jahren ist kein Kursrückschlag um mindestens 20 Prozent mehr aufgetreten. Denn das wäre per Definition das Startsignal für einen neuen Bärenmarkt.

Der lange Kursanstieg verunsichert viele Anleger. Sie rechnen mit einem Crash und warten mit dem Start ihrer Altersvorsorge auf tiefere Einstiegskurse. Doch die Börsenhistorie zeigt, dass dieses Markt-Timing keine gute Idee ist. Den besten Einstieg gibt es nicht, niemand kann das timen.

Zeitpunkte für Crashs und Kurserholungen lassen sich einfach nicht vorhersagen. Sie können nächste Woche kommen, in drei Jahren oder in zehn. Und wenn ein Kurssturz kommt, wann genau soll man dann einsteigen? Nach 10 Prozent Einbruch, oder erst nach 20 oder 30 Prozent? Der Anleger weiß ja auch in dieser Situation nicht, ob die Kurse nicht noch weiter fallen. Die Geschichte vom fallenden Messer mag ja theoretisch korrekt sein, aber wann ist der Kursrutsch beendet?

Sollten die Kurse nicht einbrechen und immer weiter Richtung Norden laufen, dann verzichten Sie auf massive Kursgewinne. Die Jahre verstreichen, und das reale Vermögen des Anlegers schrumpft durch Inflation. Diese Gefahr ist in der Regel größer, als die eines Crashs.

In aller der Regel bleibt genügend Zeit bleibt, Kurseinbrüche wieder auszusitzen. Zudem kann der Anleger auch einen Sparplan abschließen – und monatlich Geld investieren. Dadurch verringern sich die Auswirkungen eines Kurseinbruchs erheblich, durch den Cost-Average-Effekt profitieren Anleger sogar von Kursrückschlägen. Am wichtigsten ist es also, dass überhaupt ein Teil des Vermögens in Aktien anlegt wird – und zwar so früh als möglich.

Der beste Zeitpunkt, um in Aktien zu investieren ist heute, der zweitbeste war gestern. Auch das ist eine der vielen Börsenweisheiten.

8. Nichts weiter machen – und das Geld lieber ausgeben
Eine solide aufgebaute Altersversorgung läuft über 20-30 Jahre, evtl. sogar noch länger. In dieser Zeit kann viel passieren – Scheidung, Firmengründung, Arbeitslosigkeit und vieles mehr. Durch bestimmte Lebensumstände kann sich die finanzielle Situation schlagartig ändern, daher sollte eine Altersvorsorge flexibel auf Veränderungen reagieren können.

10. Das Geld für den Ruhestand bekomme ich sowieso nicht zusammen
Viele Menschen denken, für die Altersvorsorge braucht es Millionen. Im Einzelfall mag das stimmen. Aber für die meisten geht es doch darum, die Rentenlücke – oder wenigstens einen Teil davon – zu schließen. Darunter versteht man die Differenz zwischen dem Durchschnittseinkommen in den letzten Berufsjahren und der staatlichen Rente. Jeder Euro, der gespart werden kann, hilft dabei, vor allem wenn er schon früh investiert wird. Auch wer nur wenig Geld von seinem Verdienst abzweigen kann, sollte sich daher nicht entmutigen lassen. Wer frühzeitig mit dem Investieren beginnt, hat gute Chancen, seinen Ruhestand ohne finanzielle Sorgen genießen zu können.

Hinweis:
Unsere Artikel sind objektiv recherchiert und unabhängig erstellt. Damit Sie unsere Informationen kostenlos lesen können, werden manchmal Klicks auf Verlinkungen vergütet. Diese sogenannten Affiliate-Links und die damit verbundenen Werbekostenvergütungen haben bei der Erstellung unserer Ratgeber-Artikel keinen Einfluss auf den Inhalt, unsere Artikel sind und bleiben immer objektiv. Unser oberstes Ziel ist Ihre Information.



News Reporter