Die tatsächlichen Kosten eines ETF

Broker_Wahl_2017_flatexEiner der wesentlichen Vorteile von ETFs sind die geringen Kosten, günstiger und einfacher können Sie langfristig kaum investieren. Dennoch müssen Sie auch hier stets im Auge behalten, was an ETF-Gebühren und anderen laufenden Kosten für den ETF anfällt. Gerade für den langfristigen Erfolg Ihrer Geldanlage sind die ETF-Kosten von Bedeutung – das wird leider oft vernachlässigt.

Die Kostenkontrolle ist auch bei der Anlage in einen ETF ein wichtiger Faktor. Neben der Gesamtkostenquote (TER) sollten Sie auch die sogenannte TCO, also alle Kosten über die gesamte Haltedauer einer Investition, beachten. D.h. wie hoch sind die Kosten, wenn ich den ETF 1 Woche – oder mehrere Monate oder Jahre halte.

Total Expense Ratio (TER) – Gesamtkostenquote enthält nicht alle Kosten des ETF

Um die Kosten eines ETF zu beurteilen, können Sie die Gesamtkostenquote, die sogenannte Total Expense Ratio (TER), heranziehen. Allerdings beinhaltet diese Quote nicht alle ETF-Kosten. Die TER und auch die fast identische Kennzahl „Ongoing Charge” geben die laufenden jährlichen Kosten für das Halten eines ETF an. Darin enthalten sind auch die Gebühren, die Sie auf der Internetseite des ETF-Anbieters oder im Produktbeiblatt KID und Factsheet finden.

Es handelt sich dabei um laufende Kosten, die täglich anteilig vom Fondsvermögen im ETF abgezogen werden. Es gibt aber noch weitere Ausgaben, die darin nicht enthalten sind. Das ist besonders für die Anleger wichtig, die ggf. mit ETFs traden – was aufgrund der günstigen Kostenstruktur durchaus erfolgreich sein kann. Damit ist jetzt nicht zwingend Tagestrading gemeint – wenn auch theoretisch möglich – sondern eher Positionstrading.

Welche Kosten sind in der TER enthalten?

  • Verwaltungsgebühren: Das sind Management- und Betriebskosten, die beim ETF-Anbieter für die Indexnachbildung anfallen. Darin enthalten sind zum Beispiel Kosten für Portfolio-Management, Wirtschaftsprüfung, Revision und sonstige Betriebskosten.
  • Depotbankgebühren: Die Wertpapiere, in die der ETF investiert, werden in einem gesonderten Depot aufbewahrt. Dafür fallen Kosten bei der Depotbank des ETF an.
  • Lizenzgebühren: Der ETF-Anbieter muss für den nachgebildeten Index Lizenzgebühren bezahlen.
  • Vertriebsgebühren: Hierzu zählen die Kosten, die für die Vermarktung beziehungsweise den Vertrieb des Produkts anfallen, wie beispielsweise die Erstellung von Fondsdokumenten und Broschüren.

Welche Kosten sind nicht in der TER enthalten?

  • Swap-Gebühren: Synthetisch replizierende ETFs entrichten Gebühren für den Bezug der Index-Rendite.
  • Wertpapierleihe-Erträge: Das sind Gewinne, die mit der Verleihung von Wertpapieren erzielt werden.
  • Transaktionskosten auf Fondsebene: Diese entstehen, wenn der ETF sein Portfolio umschichtet, also auf den Index anpasst. Dazu gehören zum Beispiel Broker-Gebühren und Spreads.

Das sollten Sie über die Gesamtkostenquote TER wissen:

  • Die TER ist ein Prozentsatz, der die jährlichen laufenden Kosten eines ETF angibt.
  • Die TER enthält nicht alle ETF-Kosten.
  • ETFs mit einer niedrigeren TER haben nicht zwangsläufig eine bessere Rendite als ETFs mit einer höheren TER.

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Total Cost of Ownership (TCO): alle Kosten auf einen Blick
Die Total Cost of Ownership (TCO) zeigt Ihnen die tatsächlichen Kosten für das Halten eines ETF auf. Allerdings finden Sie die Total Cost of Ownership weder auf der Anbieter-Website noch im Factsheet. Denn die Investmentgesellschaften und die Europäische Union haben sich auf eine einheitliche Definition der TER und des Ongoing Charge geeinigt. Für die Kennzahl der Total Cost of Ownership existiert dagegen aktuell noch keine gesetzliche Regelung.

Anleger sollten diese wichtige Kennzahl bei der ETF-Auswahl dennoch berücksichtigen. Denn der ETF mit dem niedrigsten TER ist nicht unbedingt der günstigste. Folgendes sollten Sie bei den Gesamtkosten beachten:

Die Total Cost of Ownership misst zudem auch die zusätzlichen internen ETF-Kosten, die durch die TER nicht berücksichtigt werden. Hierzu zählen zum Beispiel zusätzliche Ausgaben für die Neugewichtung bei physisch replizierten ETFs, also Handelsgebühren und Spreads (Geld-Brief-Spannen) bei Transaktionen innerhalb des ETF. Bei synthetisch replizierten ETFs ist hingegen die Swap-Gebühr relevant. Zudem fallen auch Steuern an und Sie können Erträge durch Wertpapierleihe erwirtschaften. Diese Kosten sind keinesfalls ETF-spezifisch. Sie fallen bei jeder Art von Investmentfonds zusätzlich zum TER an.

Neben den oben genannten gibt es noch verschiedene externe laufende Kosten bei ETFs, die Anleger etwas besser identifizieren können. Dazu gehören beispielsweise Depotgebühren, Ordergebühren und weitere Handelsgebühren wie die Geld-Brief-Spanne, ebenso wie Börsengebühren, wenn Sie den ETF kaufen und wieder verkaufen.

Tracking-Differenz als Kosten-Kennzahl
Aber wo genau finden Sie die versteckten internen ETF-Kosten, die nicht im TER enthalten sind? Die Tracking-Differenz gibt Antwort – die Tracking-Differenz bezeichnet den Unterschied zwischen der Rendite des ETF und der Rendite des zugrundeliegenden Index, der vom ETF nachgebildet wird. Wenn ein Index zum Beispiel eine Rendite von 10 Prozent ausweist und der entsprechende ETF nur eine Rendite von 9 Prozent erwirtschaftet, dann lautet die Tracking-Differenz -1 Prozent.

Diese Tracking-Differenz zeigt Ihnen – wie oben dargestellt – nun effektiv Ihre Gesamtkosten für den Besitz des ETF, also die Total Cost of Ownership zuzüglich der externen Kosten.

Die Tracking-Differenz kann in einigen Fällen auch positiv ausfallen. Das passiert unter anderem dann, wenn ein ETF von zusätzlichen Einnahmen wie etwa durch Wertpapierleihe oder eine günstigere Steuerregelung im Vergleich zur Index-Annahme profitiert. Auch denkbar: Durch eine etwas abweichende ETF-Zusammensetzung im Vergleich zum zugrundeliegenden Index, wie beispielsweise bei Sampling-ETFs, entwickelt sich der ETF über einen gewissen Zeitraum besser. Laufzeiten von unter einem Jahr können Sie dabei getrost ignorieren.

Allerdings ist es oftmals schwierig, für einen solchen Vergleich an geeignete Index-Daten heranzukommen. Alternativ vergleichen Sie einfach die Renditen mehrerer ETFs auf den gleichen Index miteinander. Wählen Sie die entsprechenden ETFs aus und vergleichen Sie diese in einem Chart miteinander. Der ETF mit der höchsten Rendite – am besten über unterschiedlich lange Zeiträume – hat in der Regel eine der niedrigsten TERs.

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