MSCI World oder FTSE – welcher Index-ETF ist der richtige?

ETFs auf MSCI-Indizes sind die beliebtesten, weil weltweit agierend – da kann ein ETF auf den FTSE-Index nicht mithalten – obwohl auch weltweit anlegend. Mittlerweile ist die Bedeutung von ETFs sehr groß – und diverse ETFs bilden vor allem den MSCI ab. Beide sind vergleichbar, aber es gibt dennoch Unterschiede – welche, beleuchten wir nachfolgend ausführlich.

Ist von einem breit gestreuten Welt-ETF die Rede, denkt niemand an den FTSE Developed, in aller Regel ist dann der MSCI World gefragt – auch weil dieser einfach bekannter ist. Andere Index-Anbieter stehen weniger in der Öffentlichkeit, zudem gibt es auch kaum ETFs mit alternativen Indizes. Wer einen globalen Aktien-ETF sucht – ohne Schwerpunkt auf bestimmte Bereiche – findet ca. 20 MSCI World ETFs und allenfalls 1-2 ETFs zum FTSE Developed-Index.

Bei den Emerging Markets sieht das ähnlich aus – es gibt sehr viele ETFs auf den MSCI Emerging Markets und kaum einen ETF auf den FTSE in diesem Segment. Erst auf Ebene der Regionen beziehungsweise der Länder, kommen andere Index-Anbieter wie zum Beispiel STOXX, S&P – oder eben der FTSE ins Spiel. Es scheint fast so, als gäbe es auf globaler Ebene keine Alternative zum MSCI.

Dabei sind sich FTSE und MSCI eigentlich sehr ähnlich, wer nicht genau hinschaut – wird auf den ersten Blick kaum Unterschiede feststellen. Beide sind sehr breit diversifizierte, nach Marktkapitalisierung gewichtete Indices.

MSCI oder FTSE – wo liegt der Unterschied

Ein Unterschied ergibt sich aus der Einstufung als Schwellen- oder Industrieland. Beim FTSE wird Südkorea zum Beispiel als Industrienation eingestuft, beim MSCI aber als Schwellenland.

Diese Einstufung hat entscheidenden Einfluss darauf, ob diese Länder in den Industrieländer-Index – oder in den Schwellenländer-Index aufgenommen werden. Unser Nachbarn Polen gehört seit Herbst des letzten Jahres beim FTSE-Index zu den entwickelten Ländern – und ist dort entsprechend vertreten. Beim MSCI hingegen zählt Polen weiterhin als Schwellenland. Saudi Arabien und Argentinien werden ab Juni 2019 in den Schwellenländer-Index beider Indices aufgenommen.

Interessant ist auch der Unterschied bei der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt China, so ordnet der MSCI neben den H- und B-Aktien, auch A-Aktien in den Emerging Markets-Index ein, die lange nur für chinesische Anleger zugänglich waren. Auch FTSE hat angekündigt, neben den H- und B-Aktien, auch A-Aktien in seine Indices aufnehmen zu wollen.

Die Gewichtung der Industrieländer-Indices liegen sehr nah beieinander. Im Bereich der Emerging Markets hingegen, gibt es schon etwas deutlichere Unterschiede. Das liegt vor allem an der Einordnung von Südkorea. Im MSCI Emerging Markets-Index macht Südkorea sogar den zweitgrößten Anteil am Index aus.




Wie unterscheidet sich die Gewichtung innerhalb der größten Länder

Bezogen auf die USA gibt es zwischen beiden Indices keinen nennenswerten Unterschied in der Gewichtung, dies gilt auch für Japan, Großbritannien, Frankreich und Kanada. Selbiges gilt auch für den MSCI EM und FTSE EM – wenn man davon absieht – das Südkorea mit fast 14 Prozent im MSCI EM vertreten ist.

Nach dem Verständnis beider Anbieter sind in den Industrie- und Schwellenländer-Indices grundsätzlich nur Large Caps und Mid Caps vertreten. Die Anbieter definieren Small Caps allerdings unterschiedlich. Bei FTSE decken die globalen Indizes etwa 90 Prozent der Marktkapitalisierung ab. Hier zählen Small Caps somit zu den kleinsten 10 Prozent des Aktien-Universums.

Bei MSCI decken die globalen Indizes hingegen nur 85 Prozent der Marktkapitalisierung ab – und die kleinsten 15 Prozent der Aktien fallen in den Bereich der Small Caps. Das ist auch der Grund, warum in den Indices von FTSE eine höhere Anzahl von Unternehmen enthalten sind.

Wie viele Aktien enthalten die jeweiligen Indizes der beiden Anbieter?

Im MSCI sind es weltweit 2.787 Aktien, im FTSE 3.211. In den Industrieländern sind es im MSCI 1.636 Aktien und im FTSE 2.193. In den Schwellenländern sind im MSCI 1.151 und im FTSE 1.018 Unternehmen vertreten. In Europa beträgt das Verhältnis MSCI 443 / FTSE 594 und in Japan 322 zu 520 Aktien. (Quelle MSCI, Stand 31.10.2018)

Die Performance beider Indices

Trotz all dieser Unterschiede ist die Performence von MSCI World und FTSE Developed im Endeffekt fast identisch. Im Vergleich weichen die Wertentwicklungen von ETFs auf die beiden Indizes kaum voneinander ab. Dagegen sind die Unterschiede in der Wertentwicklung der Emerging Markets-Indizes deutlicher, seit Auflage des ETFs entwickelte sich der Vanguard FTSE Emerging Markets um ca. 7 Prozent besser, als ein ETF der Marke iShares auf den MSCI Emerging Markets.

Die Performance könnte noch etwas auseinandergehen, da seit September 2018 neben Südkorea auch Polen beim FTSE den Aufstieg in die Developed Markets geschafft hat, während beide Länder im MSCI noch als Entwicklungsländer gelten. Insgesamt performen die beiden Indices alles in allem sehr ähnlich und werden sich vermutlich auch zukünftig nicht weit voneinander entfernen. Auf Regionen- oder Länderebene könnten kleinere Unterschiede allerdings stärkere Auswirkungen haben.

Fazit

Vanguard – größter US-Publikumsfonds hat vor einigen Jahren von Indices der Marke MSCI auf FTSE umgestellt, das wurde mit einem Kostenvorteil der FTSE-Produkte begründet. Das sollte aber für die Entscheidung eines Anlegers kein nachhaltiger Grund sein, da die Unterschiede nur marginal sind. Viel wichtiger ist die Frage, welche Kosten tatsächlich p.a anfallen.

So kann es durchaus vorkommen, dass ETFs auf Indices von MSCI trotz der wohl teureren Marke im Endeffekt günstiger sind. Im Moment kostet der preiswerteste MSCI World-ETF 0,12 Prozent, während der günstigste und einzige FTSE Developed-ETF eine Total Expense Ratio (TER) von 0,18 Prozent aufweist.

Vergleichbar sieht es im Bereich der Schwellenländer aus: Der günstigste MSCI Emerging Markets-ETF kostet 0,18 Prozent, während der ETF auf den FTSE Emerging Markets mit Kosten in Höhe von 0,25 Prozent zu Buche schlägt. Bei der Kombination von Industrie- und Schwellenländern in einem Index ist der ETF auf den FTSE-Index etwas günstiger.

Ein Vermischen der beiden Indizes sollte vermieden werden, da dies ein Klumpenrisiko darstellt. Es ist demzufolge sinnvoller, sich für einen der beiden Anbieter zu entscheiden. Aus Sicht eines ETF-Anbieters, ist die Entscheidung für einen der Indizes jedoch nicht ganz so einfach. Diesbezüglich stellt sich die Frage, ob der Markenname MSCI mehr zieht – und dafür auf eine möglicherweise niedrigere Gesamtkostenquote bei einem FTSE verzichtet werden kann.

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