Warum Renten-ETFs wieder interessant werden

Renten-ETFs sind Fonds, die ausschließlich – oder zu einem großen Teil in Anleihen investieren, umgangssprachlich werden diese auch als Rentenpapiere bezeichnet, was den Begriff Rentenfonds erklärt. Die Wertentwicklung erfolgt über Zinszahlungen der Anleihen und durch den Handel mit den gehaltenen Wertpapieren.

Jahrelang war ein Investment in Anleihen ein Verlustgeschäft, vor allem – wenn man den Realzins betrachtete, d.h. die Rendite der Anleihen abzüglich der Inflation. Aber mit der Abschwächung des weltweiten Wachstums könnte sich das jetzt sehr schnell ändern. Zum einen werden die Aktienmärkte zunehmend volatiler, demzufolge fliesst das Kaptal nicht mehr so ungehemmt in Aktien wie in den vergangenen Jahren.

Zudem ist das Thema steigender Zinsen durch die schwächelnde Wirtschaft erst einmal vom Tisch, die Zinsen dürften tendenziell sogar eher wieder sinken. So verwirrend das im ersten Moment klingt – für Bond-Investoren ist das äußerst lukrativ!

Anleihen – wenn das Wachstum schwächelt, ist das gut für Anleihen?

Das hat mehrere Gründe, zunächst einmal wird die Inflation in Phasen geringen Wachstums bzw. in einer Rezession zurückgehen, denn wer dann in einem negativen Umfeld noch etwas verkaufen will, sollte besser die Preise senken, statt sie zu erhöhen. Das bedeutet, dass der Realzins schon deswegen steigt, weil von der Zins-Rendite, die man erhält, durch die sinkende Teuerung mehr übrig bleibt.

Das gilt auch für Deutsche Anleihen, wenngleich der Zins dort noch negativ ist. Der deutsche Realzins hatte im Herbst 2018 mit -2,16 Prozent ein Rekordtief erreicht, liegt per Anfang März 2019 aber immerhin schon wieder bei -1,3 Prozent. Und er könnte auch wieder positiv werden, vor allem, was die längeren Anleihe-Laufzeiten angeht. Denn da bekommt man ohnehin noch eine positive Rendite.

Die Rendite für deutsche Anleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren liegt derzeit immerhin 0,74 Prozent, für zehn Jahre bekommt man momentan noch +0,07 Prozent. Bei 5 Jahren liegt die Rendite bei -0,36, für zwei Jahre Laufzeit sogar bei -0,57 Prozent, was soll daran jetzt für Anleger interessant sein?

Doch, sollte man den Faktor Kursgewinne nicht unterschätzen!

Bei Investments in Anleihen spielen ebenso zwei Elemente in Bezug auf mögliche Gewinne eine Rolle wie bei Aktien. Bei Aktien sind es der Kurs und die Dividende. Bei Anleihen ist es zum einen der Zinskupon, sprich die nominale Verzinsung, aber auch hier spielt der Kurswert der Anleihe eine große Rolle. Dieser steigt, wenn die Leitzinsen sinken und damit die Renditen fallen.

Der Grund dafür ist, dass sich Anleihekurs und Rendite gegenläufig verhalten. Wenn die Rendite der Anleihen sinkt, wirkt sich das auf die bereits bestehenden Anleihen kurssteigernd aus. Das basiert darauf, dass der nominale Zins einer Anleihe fest verankert ist.

Wenn Sie sich mal den Kursverlauf einer Bundesanleihe anschauen, die insgesamt eine Laufzeit von zehn Jahren hatte, wird das deutlich. Wenn diese 2014 ausgegeben wurde und jetzt noch eine Restlaufzeit von fünf Jahre hat, bis die Anleihe zur Rückzahlung fällig wird. Über die ganze Laufzeit hinweg zahlt der Bund als Kreditnehmer dem Anleger jährlich einen Zins von einem Prozent aus.

Das ist das Wesentliche
Die bereits bestehenden Anleihen passen sich dem allgemeinen Zinsniveau an. Was nicht „von oben“ angeordnet ist, sondern ein automatisch ablaufender Prozess ist. Würde unsere Beispiel-Anleihe mit ihren fünf Jahren Restlaufzeit jedes Jahr ein Prozent Zins abwerfen, während das allgemeine Renditelevel für fünf Jahre negativ ist (-0,36 Prozent), würden alle nur diese Anleihe haben wollen, weil sie ja viel mehr Zins einbringt. Also wird die Anleihe an der Börse stark nachgefragt, der Kurs steigt. Und wenn der Kurs der Anleihe steigt, ist die Verzinsung für diejenigen, die da während der Laufzeit der Anleihe einsteigen wollen, niedriger. Dieser Börsenkurs steigt gemeinhin so weit, bis die Rendite, sprich der Kurs der Anleihe geteilt durch den Zinskupon von 1,0 Prozent, das allgemeine Renditeniveau dieser Laufzeiten ergibt.

Das bedeutet: In einer Phase mit tendenziell fallenden Renditen steigen die Kurse der Anleihen, der Anleihemarkt verspricht Kursgewinne.

Wenn die Zinsen allgemein wegen der schwachen Wirtschaftslage fallen, hätte man jetzt noch höhere Renditen bei den Anleihen als in einem halben, oder in einem Jahr. Vorausgesetzt, diese wirtschaftliche Schwächephase setzt sich fort und die Notenbanken müssen wieder den Geldhahn aufdrehen und/oder die Leitzinsen senken!

Jetzt hätte man also eine interessante Gelegenheit, bei Anleihen einzusteigen. Aber wie und wo? In den USA gibt es deutlich höhere Zinsen. Und innerhalb Europas sind die Unterschiede auch alles andere als klein. Dazu ein Vergleich der Renditen in den USA, Italien und Deutschland für Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit.

In den USA und in Italien liegen die Renditen für Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit deutlich höher, bei 2,65 (USA) und 2,50 (Italien) Prozent. In Deutschland bekommt man nur 0,07 Prozent. Doch zu berücksichtigen sind auch Währungs- und Ausfallrisiken.

Außerhalb der Eurozone gibt es das Währungsrisiko. Wenn Sie in US-Anleihen investieren und der Wert des US-Dollars zum Euro fällt, kann es leicht sein, dass der höhere Zins vom Verlust, den Sie durch den fallenden US-Dollar erleiden, aufgezehrt wird – es könnte demzufolge sogar zum Verlustgeschäft werden.

Und innerhalb der Eurozone ist es genauso wichtig sich den Schuldner genau anzusehen, ebenso wie bei Anleihen weltweit. Grundsätzlich gilt: Je höher der Zins, desto höher das Ausfallrisiko. Was den eventuellen Ausfall der Zinszahlung bedeuten kann, aber auch, wenn es hart auf hart kommt, den Ausfall des gesamten Kapitals, sprich die Anleihe an sich wird nicht mehr zurückbezahlt und damit wertlos.



Faktor Laufzeit
Ein weiterer Faktor, den es zu bedenken gilt, ist die Laufzeit. Je länger die Laufzeit der Anleihen, die man sich ins Depot holt, desto höher ist die Rendite. Was nachvollziehbar ist, denn der Zins soll ja berücksichtigen, dass man Geld verleiht. Und je länger diese Leihfrist ist, sprich je länger die Anleihe läuft, desto mehr muss der Staat, die Kommune oder das Unternehmen dafür auf den Tisch legen.

Aber je länger die Laufzeit, desto länger sind Sie an das derzeitige Renditeniveau gebunden, wenn Sie nicht auf Kursgewinne spekulieren, sondern die Bonds bei der Ausgabe erwerben und behalten wollen, bis die Laufzeit endet. In diesem Fall kann es Ihnen egal sein, ob der Börsenkurs dieser Anleihe in der Zwischenzeit steigt oder fällt. Aber will man sein Kapital so langfristig binden? Möchte man hinnehmen, dass es in der Zeit bis zum Laufzeitende der Anleihen womöglich deutlich günstigere Renditen gibt, die man dann nicht „mitnehmen“ kann? Mit kurzen Laufzeiten sind Sie flexibler, aber dafür gibt es dann eben auch weniger Rendite.

Die besten Anleihen-ETFs
Dass die derzeitige Phase interessant ist, weil die Wahrscheinlichkeit gestiegen ist, dass die Zinsen insgesamt wieder fallen und damit erst einmal nicht mehr Zinsrendite zu erwarten ist – und zugleich fallende Zinsen auf Kursgewinne hoffen lassen, ist eine Sache. Aber man kann nicht absehen, wie sich die Situation in einem, fünf oder zehn Jahren darstellt. Daher bietet es sich an, auch und gerade bei Anleihen das zu tun, was bei Aktien eine Selbstverständlichkeit ist.

Trader-Konto_300x120Mit Anleihe-ETFs ein Portfolio aufbauen
Streuen Sie ihre Investments nach Währungsraum, Laufzeiten und Bonität und bleiben Sie trotzdem flexibel. Aber wie? Indem Sie sich Anleihe-ETFs ins Depot legen. Die Auswahl ist groß – und so haben Sie die Möglichkeit, börsentäglich ein- oder auszusteigen.

Und wenn Sie Ihr Investment so gestalten, dass Sie ETFs zu mehreren Bereichen im Depot haben, die ja in sich wiederum ein Portfolio aus verschiedenen Anleihen darstellen, können Sie so recht einfach eine breite Streuung der Chancen und Risiken erreichen. Ein ausgesprochen guter Broker ist Lynxbroker, günstige Preise bei einem sehr guten Service – und alles in allem sehr professionell.

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